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Reisebericht: Ecuador - Reise durchs Andenhochland

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Don Martino

ein Abenteurer

aus Traunstein

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jonny2: 5 Sterne


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So, und es wäre dann mal wieder so weit. Der Drang zu verreisen wird unerträglich und so entscheide ich mich im April diesen Jahres relativ spontan an einer Sprachrundreise durchs Ecuadoriansiche Andenhochland teilzunehmen. Sicherlich sind zwei Wochen nur eine "Notlösung"... aber besondere Umstände bedürfen eben auch Kompromissen.

Der Flug nach Quito ist außergewöhnlich umständlich. Ziemlich faad, wenn man für eine Strecke von 11 Stunden dann doch 16 Stunden in der Luft ist. Die niederländische Fluggesellschaft landet in der Nacht noch auf den Antillen... aber wer kann schon von sich behaupten, mal schnell auf einen Snack in der Nacht auf dieser Karibikinsel Bonair gewesen zu sein. Der Flug von Guayaquil über die Anden in die ecuadorianische Hauptstadt Quito lässt schon einen ersten Eindruck die grandiose Landschaft gewinnen. Quito liegt ziemlich hoch und somit sind die ersten Schritte in über 3.000 Meter doch ziemlich anstrengend... jetzt heißts erstmal: Aklimatisieren. Was ich bei der Ankunft am Flughafen äußerst unromantisch finde, man bekommt gar keinen Stempel mehr in den Reisepass. Oh, hab ich mich doch so auf einen schönen altmodisch neuen Eintrag in meinem "Wanderpass" gefreut... Nein, es gibt ein maschineller Nadeleindruck...

Die ersten Tage führen südlich von Quito auf einer primär angenehmen Höhe durchs Hochland. Eine klimatische Besonderheit lässt leider so manchen Ausflug im wahrsten Wortsinn ins Wasser fallen... Vormittag ist es frühlingshaft und gegen Mittag zieht dann der Wolkenstau von der Küste über die Berge, bleibt dann an den Bergen hängen und regnet freundlich ab... Naja, und nachdem die Südamerikaner ja von ziemlich stoischer Gelassenheit geprägt sind und der Turbostart am Morgen auch nicht immer so funktioniert bleibt mir der Blick auf die bedeutenden Vulkane verwehrt. Wir brechen immer dann auf, wenn sich die Sonne verabschiedet und sich die Regenwolken über uns ergiesen... Ein Graupelschauer auf 4.200 m emfpängt uns z.B. am Cotopaxi. Die Mächtigkeit dieser Berge spüre ich auch am eigenen Leib. Die körperlichen Reaktionen auf Höhenunverträglichkeit sind lt. Reiseführer wirklich alle richtig beschrieben... Wirklich sehr gut recherchiert! Kopfschmerzen, Schwindelgefühl. Tachykardie, Müdigkeit... v.a. auch der steigende Magendruck ist äußerst beeindruckend. In einem Feldversuch hab ich jetzt festgestellt, das Gatorade zwei Stunden nach dem Verzehr immer noch den gleichen Geschmack hat... Spricht für eine große Portion Chemie... ;-). Die ersten Nächte vergehen somit mit ganz viel Schlaf und so langsam komm ich wieder auf die Höhe. Zum Glück, denn mit der Kraterlagune Quilotoa auf knapp 4.000 Meter steht ein wunderschöner Programmpunkt an.

Um einen ehemaligen Vulkankrater hat sich ein Dorf angesiedelt. Wir würden sagen, ziemlich primitiv... aber dafür umso ursprünglicher. Der Kontakt zur einheimischen Bevölkerung entschädigt da einfach Vieles! Wir steigen in einem "Pseudo"-Hostal ab. Ich kann mich nicht erinnern, je in einem solch schlechten Bett geschlafen zu haben. Aber irgendwie muss man sich auf diesem Kontinent einfach auf solche Sachen einlassen. Der Lichtschalter besteht darin, zwei blanke Drähte ineinanderzuhängen... fritzl, funk... Ich konnte leider kein VDE-Prüfsiegel finden. Naja, is auch nicht so schlimm... Dafür hatten sie in der "Dorfgaststätte" einen ganz neuen Hähnchen-Gas-Grill. Die absolute Attraktion. Spannender wie Fernsehen, wenn die Gummiadler da so ihre Kreise ziehen... Naja, es gab dann auch Pollo von früh bis spät... Die Hühnersuppe samt Krallen an den Beinen war für mich dann doch etwas gewöhnungsbedürftig. Aber es war äußerst herzlich serviert und mit Liebe gekocht. Die Nächte in der Höhe sind unbeschreiblich kalt und so lag ich mit fünf Decken, langer Unterhose, Mütze und Handschuhen im Bett. Nachdem die Luft da oben so dünn ist und das Feuerholz jetzt auch nicht immer trocken gelagert wird, mussten wir uns von dem Wunsch eines heimeligen Kaminfeuers auch schnell verabschieden. Nichteinmal mein "Brandbeschleuniger" (Desinfektionsmittel) hat geholfen... sehr ernüchternd!

Ziemlich cool war dann die erste Reiseetappe des folgenden Tages. Auf der Ladefläche eines Pick-up gings weiter. So was wollt ich schon lange mal machen. Jetzt geht mir nur noch die Fahrt auf dem Dach einer Eisenbahn ab... ;-) Insg. stand eine 8stündige Busfahrt an. Der Weg führte uns nach Otavalo in den Norden. Nachdem die Menschen in dieser Gegen ziemlich klein sind wäre hier eine Thrombose-Prophylaxe fast noch notwendiger als im Flugzeug... Die Beinfreiheit ist nicht nur aufgrund mitfahrender Tiere eingeschränkt sondern von hausaus ziemlich gering... Das größte "Schockerlebnis" Stand jedoch noch aus. Kurz vor unsere Ankunft in Otavalo verehme ich plötzlich einen dumpfen Schlag, die Reifen unseres Busses quietschen und am Straßenrand erkenne ich verstöhrte Passanten... Nachdem ich auf der anderen Seite sitze und der Bus ziemlich voll ist, kann ich primär nicht erkennen was passiert ist. Unser Busfahrer hat einen Fußgänger über den Haufen "gemäht"... Reflexartig krame ich meine Handschuhe aus dem Rucksack... aber an Erste-Hilfe ist hier nicht zu denken. Der Busfahrer legt den erste Ganz ein... beschleunigt und sucht das Weite. Oh, Mann... hatte ich eine Wut im Bauch! Ich fühlte mich ziemlich schlecht... So eine Art § 323 c StGB gibts hier scheinbar nicht und das Selbstverständnis zu Helfen war auch mehr als unterbelichtet... Bei einigen Gesprächen mit andern Leuten während der Reise wird mir vermittelt, dass es sich leider um den Normalfall handelt... Was ist das nur für eine Wertschätzung des Lebens?

Otavalo selbst ist eine ganz gemütliche Stadt. Am Wochenende gibts hier am Plaza de Poncho einen sehr bunten Markt. Hier gibts einfach alles. Von der Fernbedienung bis hin zur Sonnenbrille... :-) Unzählige Stände mit bunten Ponchos, Handarbeiten, farbigen Tüchern und Decken... aber v.a. auch die Stände mit Gemüse, Obst und Fleisch "faszinieren" mich. Sehr delikat präsentiert sind die Fleischgerichte. Ich kann aber trotzdem widerstehen ;-). Ich gehe davon aus, dass hier nichteinmal eine grimmige Vor- und Nachdesinfektion mit 47%igem Obstler aus der Heimat größere Schwierigkeiten abwenden kann... Das Markttreiben ist unbeschreiblich spannend. Als Europäer kann man relativ gut den Überblick bewahren, da die Leute dort mind. um einen Kopf kleiner sind. Mit Teleobjektiv bewaffnet mache ich mich auf die Pirsch nach schönen Fotomotiven. Am Abend erleben wir noch den Höhe punkte der "semana santa". Heute ist Karfreitag und eine große Prozession mit Motivwägen zieht durch den Ort. Ein sehr "marzialisches" Schauspiel. Was ich wiederum sehr bemerksenswert finde ist die Tatsache, dass die Osterwoche dort bereits am Karfreitag aufhört. Das Osterfest geht mehr oder weniger total unter. Ich merke das v.a. zwei Tage später, als ich mit meinen bis dahin erlernten Spanischkenntnise, frage ob man sich hier "frohe Ostern" wünscht... den wahrscheinlich größten "Abschuss" erziele ich damit, als ich erzähle, dass man sich bei uns an Ostern (Pescua) Huevos schenkt... Oh, sind die Europäer komisch... ;-)

In der Nähe von Otavalo verbringen wir noch zwei Nächte bei Einheimischen. Ein Projekt für so eine Art "sanften Tourismus" ermöglicht es hier, den Einheimischen Einnahmen aus dem Tourismus zu erzielen. Wir sind sehr gepflegt untergebracht. Die Gastfreundschaft ist beeindruckend. Man merkt hier einfach wie willkommen man ist... so was geht auch nonverbal.

Im Norden Ecuadors bei El Angel quartieren wir uns in er Polylepis-Lodge ein (ca. 3.300 m). Diese Unterkunft liegt zwar ziemlich am A.d.W. aber dafür ists umso uriger. Um die Lodge wächst ein uralter Polylepis-Wald. Die Bäume sind teilweise schon über 1000 Jahre alt. Insg. eine ganz geheimnisvolle und märchenhafte Athmosphäre! Die Unterkunft ist richtig nett und gemütlich. Am Abend prasselt bereits ein schönes Feuer im Kanonenofen des Schlafzimmers... Das hier der Strom ausgefallen ist, kommt uns eigentlich sehr zuvor. So ist es noch viel gemütlicher. Wir paucken unsere verbos regulares am offenen Kamin und lernen bei Kerzenschein. Die Nachtwanderung durch de Polylepiswald ist sehr gruselig. Ich warte eigentlich schon drauf, dass jeden Moment jemand hinter einem Baum vorspringt. Die Gruselgeschichte, die der Guide erzählt, können wir wg. unserer Spanischbasiskenntnise nur schwer folgen... und Englisch spricht er zum Glück nicht... Somit bleiben mir die Albträume in der Nacht erspart. Bei der Wanderung am nächsten Tag schaffen wir uns den Weg durch ein Meer aus unzähligen Frailejones (Mönchspflanze). Nach fast eineinhalb Wochen bin ich jetzt auch gut auf die Höhe eingestellt und das Ziel auf knapp 4.000 Metern ist somit gut erreichbar.

Über das Valle de Cota gehts dann auch leider schon wieder zurück in die Hauptstadt. Ein absolutes Highlight steht allerdings noch an. Ein Reit-Ausflug durch den Pululahua Vulkankrater. Selbt bin ich noch nie auf einem Pferd gesessen... oder doch... auf dem Kinderkarusell im Englischen Garten in München... Der Tag wird zum absoluten Erlebnis. V.a. spielt heute das Wetter mal mit! Es ist durchgehend sonnig. Nach einer kurzen Bedienungsanleitung gehts auch schon los mit den Pferden... Zum Glück machen die wirklich nichts anderes, als das Leittier. Mein Gaul "Carolus" weis genau, was er da für eine Pfeife auf dem Rücken trägt... keinen Schritt mehr, als sein muss. Er ist äußerst gutmütig und der Autopilot funktioniert ebenfalls zuverlässig. Wir reiten sogar Trab und Gallop... uuaaahhhhh. Wie beruhigend, unsere Führerin meint, bisher ist ihr noch niemand vom Pferd gefallen. Sie meint nur, bei mir könnte es heute aber der Fall sein... vor lauter Lachen... Die Landschaft ist wunderschön und so vergehen die fünf Stunden eigentlich fast zu schnell. Der Muskelkater am nächsten Tag ist bemerkenswert...

Bei der Rückfahrt in Quito gehts nach am Äquator vorbei. Naja, fast am Äquator. Das Denkmal verfehlt den Erdhalbmesser um fast 200 Meter... Naja, ich kann trotzdem sagen, ich war da... ;-)

Mit einem obligatorischen Rundgang durch die Hauptstadt am nächsten Tag geht die Reise auch leider schon zu Ende... Doch, eine Anmerkung muss ich noch machen. Am Tag unseres Abfluges war eine Volksabstimmung in Ecuador. Es ist hier so vorgeschrieben, dass ab 24 Stunden vorher und am Wahltag kein Alkohol mehr ausgeschänkt werden darf. Auch die Touris sind davon betroffen. Also nix Cerveza grande und so... Naja, ich philosophiere dann noch etwas über diese Vorschrift .. wenn man sich so die politischen Großveranstaltungen in good old bavaria so anschaut, stellt sich zwangsläufig die Frage, in wie fern ein solches Gebot auch bei uns aktiven Einfluss auf Mehrheitsverhältnisse mit sich bringen würde...

Eine vierzehntägige Reise geht zu Ende. Diesmal war es für mich eher ein Südamerika der leisen Töne. Was aber nicht heißen soll, dass es uninteressant war.... Nein, es hat wieder Lust nach mehr gemacht. Denn eines ist sicher... Südamerika, hasta la proxima!



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