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Reisebericht: Kuba 2009 – Revolucion o muerte? Un pais de contradicciones!

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Don Martino

ein Abenteurer

aus Traunstein

Aufrufe: 2427

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(1 Bewertung)

seitenmeister: 5 Sterne


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Kuba 2009 - Ein Land der Widersprüche

Seit Wochen gehe ich „schwanger“ mit meinem Reisebericht über Kuba Es ist mir noch nie so schwer gefallen, die Eindrücke einer Reise irgendwie auf Papier zu bringen. Ich versuche mich jetzt gerade mal mit einer CD von Buena Vista Social Club inspirieren zu lassen. Eine geniale Scheibe mit einem Live-Konzert-Mitschnitt. Im Hintergrund läuft „Chan Chan“ – eine Nummer die ich in verschiedenen Variationen auf der größten Karibikinsel gehört habe. Die Musik dieser Gruppe war für mich immer so der Inbegriff für dieses Land – fröhlich, freundlich, unbeschwert, ein Hauch von Zufriedenheit, Lebenslust und eine große Portion lateinamerikanischer Gelassenheit. Genau diese Dinge waren es bisher, die mich schon fünfmal auf den Südamerikanischen Kontinent gezogen haben. Jetzt musste endlich mal ein Abstecher nach Mittelamerika her. Habe doch schon von so vielen Menschen gehört, wie fasziniert sie von Cuba waren….Mit diesen Vorstellungen steige ich Anfang November ins Flugzeug und entfliehe dem nahenden Winter.

Flughafen München

Mit meiner "Lieblingsairline" geht’s über Madrid nach Havana… oder schreibt man Havanna… oder La Habana… IBERIA überschlägt sich wiedermal mit seinem unbeschreiblichen Service und Komfort. Rosalia del Castro heißt unser A340-300, der mich vom Namen her schon auf das Reiseziel einstimmt und mit dem ich vor drei Jahren schon mal nach Caracas fliegen durfte… damals allerdings mit Upgrade in der Businessclass. Beim Einsteigen streife ich mit großer Wehmut an dem bequemen Sessel in Reihe zwei vorbei… Und wieder habe ich mehr als 10 Stunden Zeit darüber zu philosophieren, welcher Reiz es wohl ist, warum diese äußerst serviceorientierten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ihren Traumjob Flugbegleiter/in gewählt haben. Zum Essen gab es diesmal gar nicht Pollo y Pasta…. Nein es gab, man entschuldige mir den Ausdruck, Pampe. Der Caterer „Gate Gourmet“ – der laut einer Mitreisenden besser als „Gate Mensa“ bezeichnet werden sollte – hat sich hier wieder kulinarisch überschlagen. Ich rätsle heute noch über den Inhalt dieser im Gesamtklang doch „stimmigen“ Speise. Naja, die Übernahme durch Brithish Airways wird hier sicher auch keine weitgreifenden lukullischen Veränderung einstellen. Wahrscheinlich gibt’s dann zukünftig immer Pfefferminzsouse. Yes, we can!

Capitolio, La Habana

Gesundheitlich etwas angeschlagen, erreiche ich über 24 Stunden nach meinem Aufbruch in der bayerischen Heimat die Perle der Karibik. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Ursprungsland des H1N1-Viruses begrüßt mich bereits pseudomundschutzgeschütztes Flughafenpersonal. Ich bekomme einen Gesundheitsfragebogen in die Hand gedrückt. Oh Mann… ich werde nervös! Habe Schnupfen, leichten Husten und eine erhöhte Temperatur kann ich auch nicht ausschließen…. Entscheide mich wahrheitsgemäß „Schnupfen“ anzugeben und versuche den Husten mithilfe eines eingeführten Eukalyptus-Bonbons zu vertuschen… Hoffentlich schaffe ich den Postenlauf bis zum Gepäckband und werde nicht vorher schon irgendwo in Quarantäne gesteckt. An der Wärmebildkamera komm ich zumindest schon mal unbeschadet vorbei – schwitz! Nach der Immigration steht ein Weißkittel im Weg. Ich überreiche meinen Fragebogen und begrüße ihn freundlich „Hola, buenas noches, como esta? – Yo soy aleman.“ Nach einem knappen „Pase“… bin ich drin, im Land des unbegrenzten Sozialismus.

La Habana

Was ich an lateinamerikanischen Flughäfen immer äußerst bemerkenswert finde: der Ankunftsbereich ist meist ziemlich runtergekommen und wenn man wieder nach Hause fliegt ist alles top modern und erscheint in frischem Glanz. Gerade bei Kuba bin ich mir jetzt auch nicht ganz sicher…. Soll das nach dem Motto gehen „Der erste Eindruck prägt und der letzte Eindruck bleibt“??? Wirklich eine sehr interessante Strategie!

Über den Dächern von Havana

Temperaturen nehmen uns vor dem Flughafengebäude in Empfang und wir fahren mit unserem Bus ins Zentrum der kubansichen Hauptstadt. Das Eintauchen in den lateinamerikanischen Straßenverkehr gehörte für mich bisher immer zu den ersten „Sozialisierungsmaßnahmen“ einer Reise und einer der eindrücklichsten Erlebnisse.... Aber ich merkte bereits auf den ersten Kilometern… Kuba tickt anders… Wie sich im Laufe der Reise noch herausstellen sollte, nicht nur im Straßenverkehr. Haben kubanische Autos keine Hupe? Sind Straßenkreuzungen hier nicht verstopft? Bleibt man in diesem Land tatsächlich an roten Ampeln stehen? Oh Mann, wie spießig! Naja, wenn man bedenkt, das Leben ist hier in den sechziger Jahren in (fast) allen Belangen stehen geblieben.

Bacardi-Haus, ehemalige Firmenzentrale des renom. Rum-Herstellers

Der Portier im ersten Hotel begrüßt uns bereits mit einer dicken Zigarre im Mund. Mit einem krächzendem „buenas noches senior“ werde ich begrüßt… und merke, der Mann raucht zu viel. Tabak wird hier so etwas sein, wie in Bayern Bier. Ach wie wunderbar sind doch diese Klischees. Eine Gesetzmäßigkeit, die sich bisher in keinem lateinamerikanischen Land umstoßen lies: Das Einchecken in einem Hotel gehört zu einem der aufregendsten Verwaltungsakte und zeigt ganz eindrücklich auf, wie sich ursprünglich unbürokratische Systeme durch eine Überbürokratisierung selber die Füße stellen. Ob ich jetzt Hans Wurst oder Donald Duck bin – interessiert hier keinen… Hauptsache es steht irgendeine Pseudo-Passnummer auf einem Zettel…

Am kommenden Tag unternehmen wir einen Rundgang durch Havana. Die Zeit scheint dort tatsächlich stehen geblieben zu sein. Ich muss gestehen, die Stadt hat wirklich Flair und erinnert mich total an Cartagena de Indias in Kolumbien. Es gibt hier jedoch zwei gravierende Unterschiede: In Cartagena wurde in den vergangenen Jahren viel Geld in die Hand genommen um die historische Innenstadt zu renovieren und was fast noch schwerwiegender ist… der Pina Colada schmeckt in Kolumbien deutlich besser… Ja ich weis, ich bin sehr verzogen… Unsere Stationen bei der Stadtführung sind natürlich das Capitolio. Nachdem Castro das Land konsequent entdemokratisiert hat, braucht man auch kein Parlament mehr und so steht dieser Bau aus der Jahrhundertwende mittlerweile mehr oder weniger als Museum zur Verfügung.

Move your body...

Im Land des Salsa darf natürlich auch das Tanzen nicht zu kurz kommen. Ein zweistündiger Salsa-Crash-Kurs ist eine willkommene Abwechslung bei dem „verrostete“ Europäer jedoch auch sehr eindrücklich klar gemacht wird, wie unbeweglich er ist. Jede/r bekommt sogar eine/n einheimische/n Tanzpartner/in und so kreise ich beflügelt durch eine rassige Kubanierin durch die Salsa-Klinik. Ich sag nur „feel it“ und „move your body!“ Es gibt hierüber leider nur äußerst wenig bilddokumentarische Zeugnisse. Wie in jedem Land hat man die Möglichkeit, sich mit einheimischen gegen Entrichtung eines gewissen Obolus fotografieren zu lassen. In Havana nimmt das dahingehend Auswüchse an, dass es dort durch das Ministerio Cultural autorisierte Personen sind, die als Ernesto Hemingway oder Che Guevara durch die Gassen ziehen. Wie ich später in meinem Reiseführer lese, ist ein Großteil der Musiker, die einen an diversen Plätzen und Lokalen „beschallen“, ebenfalls vom sozialistischen Staatsapparat zu Hungerlöhnen angestellt und muss sich mit Trinkgeldern über Wasser halten. Ich bleibe meiner Devise treu „No Money for a picture“…. “gekaufte” Spontanität finde ich ätzend.

Neulich auf der Autobahn...

Nach einer weiteren Nacht in Havana verlassen wir die Stadt in Richtung Westen. Auf der Autobahn geht’s in Richtung der Tabakprovinz Pinar del Rio. Man sollte sich in Reisebeschreibungen von einem typisch kreolischem Mittagessen nicht zu viel erwarten. Aus kulinarischen Gesichtspunkten bin ich bisher nie geflogen und auch nicht nach Südamerika gereist… Wir besuchen eine Tabakfinca. Besonders eindrucksvoll ist unsere Exkursion durch das riesige Labyrinth der Höhle Santo Tomas. Mit sehr kleidsamen roten Helmen und einer Stirnlampe tauchen wir ein in eine rießige Tropfsteinhöhle. Nachdem es momentan auch vom Himmel her ziemlich feucht ist, wird der Ausflug teilweise zu einer spannenden Rutschpartie – im Großen und Ganzen jedoch zu einem ersten Highlight dieser Reise. Unser Hotel liegt sehr reizvoll im Vinales Tal und wir haben bei Sonnenaufgang einen wunderschönen Ausblick auf die leicht in Nebelschwaden gehüllten Kalksteinhügel Mogotes.

Vale Vinales

Heute satteln wir unsere Drahtesel und machen uns auf zu unserer Radtour durch Cubas Westprovinz. Alleine das Herstellen der Fahrtauglichkeit ist typisch lateinamerikanisch… Vor der Abfahrt stehen wir vor einem fast unlösbaren Problem. Es ist nur noch ein Damenfahrrad für unseren kubanischen Reiseleiter übrig und so etwas ist doch überhaupt nicht maskulin. Da war sie plötzlich weg, die lateinamerikanische Gelassenheit. Entschuldigung, aber Kubaner können ziemlich verkrampft sein. Die Tourbeschreibung lautet: „Wir tauchen ein in das Tal von Vinales und genießen eine herrliche Etappe durch Mahagoni- und Zederwälder der Sierra de Organos“. Ich wage nicht zu fragen…. aber vermute, wir sind anders gefahren…

Am Abend erreichen wir San Diego de los Banos. Am darauf folgenden Tag radeln wir weiter durch die kubanische Ebene, vorbei an kleineren Dörfern in Richtung der Sierra de Rosario. Wie auf der ganzen Reise sind die Straßenränder und Häuserfronten immer wieder gesäumt mit Bildern von Fidel und Che. Fragwürdige Plakate „Revolucion o muerte“ säumen die Straßen…

An beiden Tagen werden wir am Nachmittag jeweils völlig „dawaschn“. Ein Orkanausläufer im Golf von Mexiko lässt uns hier jeden Tag einen gschmeidigen Regenschauer abbekommen. In einer wunderschönen tropischen Umgebung übernachten wir in Soroa. Der kommende Tag ist vom Wetter her leider nicht einladend und so bietet es sich nicht an, an dem wunderschönen Pool einfach mal zu relaxen. Wir fahren mit unserem Bus durch die Gegend und besuchen das eine oder andere mehr oder weniger sehenswürdige Alternativprogramm. Der Orchideengarten in unmittelbarer Nachbarschaft zu unserem Hotel ist allerdings wunderschön…. nur leider macht das Wetter nicht mit. Also, beim nächstenmal: Karibik – Regenjacke nicht vergessen. Wobei es im Nachhinein eigentlich völlig egal ist… Nass durch Regen oder Nass durch Schwitzen. Ich nehme den pragmatischen Ansatz: Ein Kleidungsstück weniger zum Trocknen…

Tag 7 unserer Kuba Reise steht unter dem Motto „Transfertag“. Einmal quer über die Insel geht’s über Havana in Richtung Santa Clara. Auf der mehre hundert Kilometer langen Fahrt über eine fast leere Autobahn sorgt weder die Straßenführung noch die vorbeiziehende Landschaft bei mir für hochkeimende Begeisterung. Ich grüble zunehmend, ob wir auf dieser Reise doch noch die Highlights zu Gesicht bekommen, die andere Menschen so von diesem Land fasziniert haben...

"Gunft-Denkmal" in Santa Clara

Santa Clara besichtigen wir das „Gunft“-Denkmal. Eine äußerst bedeutende Sehenswürdigkeit, die weder in einem Reiseführer noch im Internet zu finden ist. In der Abenddämmerung spielen wir auf einem Bolzplatz noch gegen eine einheimische Jugendmannschaft Fußball. Erhobenen Hauptes verlassen wir in der Dunkelheit nach einem grandiosen 1:1 den Platz. Unser Guide meinte nur – einen Sieg bzw. ein Unentschieden gab es die vergangenen fünf Jahre nicht mehr.

Che Guevara Memorial

Der nächste Tag lässt uns das sozialistische Kuba von seiner ganzen Breitseite spüren. Wir fahren auf dem großen Platz vor dem Che Guevara Mausoleum vor. Er ist der unangefochtene Nationalheld des Landes. Freiheit hin oder her – an seinen Händen klebt viel Blut – ich bewundere viel mehr die Größen der Geschichte, die Freiheit durch friedliche Aktionen erwirken konnten – leider gibt’s hier viel zu wenige. So weigere ich mich auch, mit einem Che-T-Shirt, völlig unreflektiert, in der Gegend rumzulaufen. Jeder spricht in diesem Lande nur von der gewonnenen Revolution. Aber was ist seit über fünfzig Jahren daraus geworden? Es steht mir nicht zu hier zu werten… aber ich empfinde es als ein Desaster – ein System, das zum Scheitern verdammt ist und meiner Einschätzung nach vor dem Kollaps steht. Die Stimmung im Che-Museum ist irgendwie eigenartig. Der Raum wird mit der Ouvertüre „1812“ von Peter Tschaikowsky beschallt. Ein Werk in Erinnerung an die Französische Revolution mit großem Getöse… Ich fühle mich dort nicht wohl. Wir treten anschließend ein in die „heiligen Hallen“ des Mausoleums, in denen seit Mitte der neunziger Jahre, die Gebeine des großen Helden aufbewahrt werden. Ich glaube, wir stehen kurz vor der Exekution, als wir wegen einem (unqualifizierten) Scherz dort plötzlich laut zu Lachen beginnen. Hasta siempre Che Guevara… i woas ned… Ein weiteres Denkmal der Revolution, ich bezeichne es mal als, „Bulldozer-Zugentgleisungs-Memorial“ möchte ich hier nur am Rande erwähnen.

Sierra del Escambray

Am Nachmittag näheren wir uns langsam den Höhepunkten der Reise. Mit unserem Bus geht es hinauf in die Sierra del Escambray zum Erholungsort Topes de Collantes. Hier steht ein ätzender Betonklotz direkt in einer wunderbaren Landschaft und diente als Kurhotel. Von dort aus bringt uns ein ca. 40 Jahre alter Laster der ehemaligen Sowjet Streitkräfte mit 350 PS in den umliegenden Nationalpark. Ja – endlich – es geht los! So hab ich mir die Sache vorgestellt! Wir kommen an einer wunderschönen kleinen Finca an. Sie überzeugt mich durch schlichte Eleganz und freundliche Menschen. Mehr brauch ich nicht. Wir erfreuen uns an der üppigen Vegetation und der spannenden Landschaft. Hier gibt’s auch das beste Essen der ganzen Reise… ein am offenen Feuer gegrilltes Schwein in einer äußerst leckeren Orangensoße. Muy muy rico!!! Ich versöhne mich etwas mit Kuba – so hab ich mir Urlaub vorgestellt.

Ein weiterer Tag mit faszinierenden Naturerlebnissen steht bevor! Beim Landhaus Casa de la Gallega schlagen wir unser Nachtquartiert auf. Vorher geht’s aber wieder durch den Wald zu einem ganz netten Wasserfall „Salto de Rocio“.

Salto de Rocio

Die beiden Nächte werden begleitet durch ein bayerisch-südtirolerisches Schnarchkonzert – das meiner Meinung nach perfekt durch die Geräusche des Urwalds ergänzt wird. Auf der Ladefläche unseres LKWs geht’s auf abenteuerlichem Wege durch die Berge bis nach Juana. Von dort aus beginnt die Wanderung durch die Gegend bei Guamuhaya.

Bevor wir jedoch unser sehnlichst erwartetes Hotel am karibischen Meer belegen dürfen, müssen wir wieder zurück in einen anderen Bunker. Das Erholungskombinat „KdF – Los Helechos“ vermittelt mir den Eindruck – hier darf ich nicht sein – hier muss ich sein. Schade! Aber das steht wahrscheinlich auf dem Jahresplan so drauf… Allmählich wird das Wetter auch zuverlässig schön. Der kommende Morgen begrüßt uns mit einem freundlichen Sonnenschein – ohne wenn und aber und so geht es auf ins „Tal der Zuckermühlen“.

"Tal der Zuckermühlen"

Die Gegend steht mittlerweile als Weltnaturerbe unter dem Schutz der UNESCO. Wir besichtigen den inmitten der Zuckerrohrplantagen gelogenen Wachturm Torre de Inznaga, der als Mahmmahl der Sklavenwirtschaft des 19. Jahrhunderts angesehen wird. Ich lasse diesen Programmpunkt aus und bleibe lieber auf festem Boden um mir den etwas verhauten Dampfzug genauer anzusehen.

Gegen Mittag passieren wir in einem für mich bis dato völlig unvorstellbare Urlaubswelt ein. Das erste Mal in meinem Leben bin ich in einem All-incl-Hotel. Ach wie habe ich diese Menschen mit den Armbändchen bisher immer verabscheut… und nun bin ich selber einer. Aber ich muss gestehen, ich kann mich relativ schnell mit der Situation anfreunden. Das Hotel "Trinidad del mar" ist nicht überlaufen – eine gepflegte Anlage mit tollem Strand (Playa Ancon) und keineswegs überzogen. Die Bespaßungsmaschinerie hält sich zum Glück auch in Grenzen und so kann ich die drei Tage dort voll genießen.

Playa Ancon, Mar Caribe - Trinidad del Mar

Während unseres Aufenthalts in Trinidad del Mar unternehmen wir mit einem Katamaran einen Ausflug zu Isla Leguanos. Bin in meinem Leben noch nie in glasklarem Wasser geschnorchelt und habe auch noch keine frisch gefangenen Langusten gegessen… heute stand dies alles auf der Tagesordnung.

Auf unserer kleinen Insel angekommen, werden wir auch schon von unzähligen Leguanen und Baumratten begrüßt. Diese kleinen „Drachen“ erwarten sich durch unsere Anwesenheit doch den einen oder anderen Überrest vom Mittagessen. Das ist wirklich ein äußerst skurriles Bild.

Isla de Leguanos

Die nahe gelegenen Ortschaft Trinidad erfüllt so das Bild eines kleinen gemütlichen karibischen Städtchens mit kolonialem Flair und ist ebenfalls Ausflugsziel für die kommenden Tage.

Trinidad

Was mich im Verlauf der Reise immer wieder verwundert hatte war die Tatsache, dass die "Einheimischen" bzw. Angestellten in Hotels mir immer auf Englisch geantwortet haben, wenn ich auf Spanisch irgendwelche Dinge bestellt oder gefragt habe. Ich denke, dass ich mich mittlerweile schon etwas verständlich ausdrücken konnte. In anderen Ländern haben sich die Leute immer gefreut, wenn ich mich mit ihnen auf ihrer Sprache unterhalten habe. Für mich ein Widerspruch - die Sprache des Klassenfeindes.

Sonnenuntergang am Playa Ancon, Mar Caribe

Nachdem die fünfzehn Tage auf der größten Antillen Insel langsam dem Ende zugehen, fahren wir über Cien Fuegos in Richtung La Habana zurück. Hier haben wir noch mal einen entspannten Tag, die Hauptstadt auf uns wirken zu lassen. Besonders eindrucksvoll fand ich den Besuch in der größten Zigarrenfabrik des Landes. No Foto – no bags. Aha, wir befinden uns hier wieder in einem dieser Pseudo-Sicherheitsbereiche des Staatsapparats. Unsere Gruppe wird in Begleitung einer scharfen Security-Lady durch die Fabrik geführt. Jeder darf sich glücklich über die Arbeitsbedingungen in der Heimat schätzen. Alles wird hier in Handarbeit hergestellt und im Hintergrund werden die Arbeiterinnen und Arbeiter mit revolutionärer Propaganda beschallt… Die Zigarrenmarke „Romeo y Juliette“ vermittelt nur eine trügerische Romantik…

La Habana

Das erste Mal nach einer Reise kommen bei mir keine Begeisterungsstürme auf. Ich muss aufpassen, dass ich nicht den Eindruck vermittle, dass mir der Urlaub nicht gefallen hätte… nein das ist es nicht. Aber diese Aha-Erlebnisse die ich in der Vergangenheit schon vielmals erleben durfte, waren diesmal einfach nicht da. Es lag sicher nicht an den Mitreisenden – eine rundum ausgeglichene Truppe mit vielen lieben und lustigen Menschen. In der Vergangenheit durfte ich in fremden Ländern immer wieder Einheimische kennen lernen, die mir mit wirklichem Herzblut ihr Land näher gebracht haben. Vor allem Venezuela und Kolumbien sind mir hier in bester Erinnerung. Was war los, dass mich Kuba einfach nicht vom „Hocker hauen“ konnte….? Wo waren diese Menschen, die mit großer Begeisterung über ihr Land erzählen und mir ihre Heimat greifbar machen? Wo waren die Menschen, die einem mit einem unvoreingenommenem Lächeln auf der Straße begegnen? Wo war die Gelassenheit? Im Nachhinein bin ich schlauer – Wo sollten sie auch sein? – in einem sozialistischen Staat, in dem der Tourismus staatlich organisiert wird; jedes Busunternehmen, jedes Hotel, die Menschen, einfach Ales von oben kontrolliert wird…. Auf die Frage "Gibt es Fidel Castro eigentlich noch?" bekommen wir die Antwort: "Papa (wie sie in hier nennen) hat sich zwar seit zwei Jahren nicht mehr in der Öffentlichkeit gezeigt, aber er schreibt noch täglich einen Artikel für die Zeitung....."

Revolucion por la libertad? Cuba - Un pais de contradicciones!

Nochmal vielen Dank an joinmytrip. Helly war mir wieder ein guter Begleiter; mein T-Shirt (wenn auch mittlerweile schon ziemlich ausgewaschen) war auch wieder mit von der Partie; und der Fluggutschein von bravofly hat mich auch ein paar Meilen in die Richtung meines Urlaubsziels gebracht. Muchas gracias!



Kommentare

Super Bericht!

 

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seitenmeister sagt dazu...

Hallo Don,

wieder mal eine super Bericht! Vielen Dank (und auf Deine Salsa-Kenntnisse) sind wir alle sehr gespannt...

Move your body!

Vg ;)
Der seitenmeister

 
 

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