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Reisebericht: merengue – salsa – mojitos. Kuba im Doppelpack

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Horst Wehrse

ein Reiseführer

aus Bremen

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Wir fliegen beide Male mit Martinair von Amsterdam nach Holguin, es sind rund 7.500 km und die Flugzeit schwankt zwischen gut 8 ½ und knapp 10 Stunden.

Kurz vor der Ankunft sind die Bahamas unter uns sehr gut zu erkennen, in der Mitte sattes Grün, außen schmiegt sich weißer Sand um die Inseln.


Die erste Reise


An einem späten Nachmittag im November 1995 betreten Heiner und ich erstmals kubanischen Boden. Wir müssen geraume Zeit vor der Flughafenhalle warten und rauchen hastig ein paar Zigaretten, im Flugzeug herrschte schließlich Rauchverbot. Das Kerosin oder andere explosive Stoffe auf dem Gelände interessieren nicht. Alte baufällige Armeefahrzeuge stehen am Rande der Start- und Landebahn. Nachdem eine Gruppe mit „Guantanamera“ verabschiedet wurde und ausgecheckt ist, sind wir an der Reihe, es dauert aber noch eine ganze Weile, bis unser Gepäck aufgenommen werden kann.


Wir entscheiden uns für das „Hotel Pernik“ und machen uns zu Fuß auf den Weg. Ein Radfahrer hält an und begleitet uns, man gut, denn es dunkelt bereits und die karge Straßenbeleuchtung ist keine große Hilfe.

Bezahlen brauchen wir an der Bar oder im Restaurant nicht, auf unsere Nachfrage heißt es stets: al final, d. h. bezahlt wird bei der Abreise.


Da die Stadt wirklich nicht so viel zu bieten hat, fahren wir tags darauf mit dem Taxi an die Nordküste nach Guardalavaca. Übersetzt bedeutet der Ortsname „hüte die Kuh“, laut Reiseführer haben sich früher die einheimischen Indianer bei Piratenüberfällen mit diesem Ausruf gewarnt.


Ein wunderschöner langer Sandstrand empfängt uns, das Wasser leuchtet in verschiedenen Blau- und Türkisnuancen in der Mittagssonne, angrenzende Palmenhaine spenden angenehmen Schatten. Das „Hotel Guardalavaca“ ist unser Zuhause für die nächsten Tage.

Wir baden im warmen Ozean, liegen am Strand und arbeiten uns durch das Cocktailangebot. Spätestens hier merken wir, dass in Kuba nach den Gesetzen der Planwirtschaft gearbeitet wird, mal fehlen Limetten für einen Mojito, mal andere Zutaten für einen Daiquiri.


Zum Abendessen reihen wir uns in die lange Schlange vor den Hotelbuffetts ein. An einem Abend genehmigen wir uns leckeren Fisch im „El Ancla“, am Ende der Bucht.


Und dann geht es auf die Piste. Am besten gefallen hat mir die Diskothek „La Roca“ direkt am Strand, teilweise unter freiem Sternenhimmel. Aber auch im „Hotel Atlantico“ und in anderen Anlagen kann man sich auf der Tanzfläche austoben. Auch am Strand wird die Nacht zum Tage gemacht, hier ein Radio, dort ein Recorder, den ganzen Tag bis in die späte Nacht hinein hört man aus allen Ecken Musik, meistens Merenguestücke, aber auch viel Salsa oder aktuelle Charts. Es ist einfach herrlich, Karibik pur, heiße Melodien und schöne aufregende Frauen bereiten einen unnachahmlichen Zauber und ein Flair, wie ich es zuvor noch nicht erlebt habe. Gar kein Vergleich mit den eher albernen Vorträgen der Animateure in den Hotelbars.


Wie soll es nun weitergehen? Wir möchten was vom Land sehen und der öffentliche Nahverkehr ist eher ein Zufallsprodukt, niemand kann uns Auskunft über Fahrzeiten etc. geben. So mieten wir uns für die kommenden zehn Tage für 610 USD einen Jeep.

Santiago de Cuba ist unser erstes Ziel. Es sind keine 200 km, dennoch benötigen wir über fünf Stunden für die Strecke. Wir fahren auf kleinen Nebenstraßen, müssen gewaltigen Schlaglöchern ausweichen und haben manchmal mangels Wegweisern kleine Orientierungsprobleme. Viele Leute stehen an den Kreuzungen am Straßenrand und warten darauf mitgenommen zu werden. LKW-Fahrer verdienen sich damit ein kleines Zubrot. Auch wir halten einige Male an und nehmen zwei oder drei Personen mit. Da Heiner und ich etwas Spanisch sprechen entwickelt sich sogleich eine kleine Unterhaltung. Die Aussprache der Kubaner ist allerdings sehr gewöhnungsbedürftig und wir müssen oft nachfragen. Mir ist in Erinnerung geblieben, dass viele Konsonanten einfach verschluckt werden.


Eine ganze Zeit fahren wir an gewaltigen Zuckerrohrplantagen vorbei. Wir halten an, die beiden Mitfahrerinnen besorgen sich von den Landarbeitern auf dem gegenüber liegenden Feld eine Machete und bieten uns ein Stück „caña“ zum Kosten an. Es schmeckt, wie sollte es auch anders sein, sehr süß.


Gegen Abend erreichen wir Santiago und nehmen ein Zimmer im „Hotel Las Americas“. Schwüle Luft empfängt uns, hier ist es noch heißer als in Holguin oder Guardalavaca, auch die Luftfeuchtigkeit ist höher. Es fällt gleich auf, dass in dieser Stadt viele Nachfahren der afrikanischen Sklaven wohnen. Ihre Vorfahren wurden in mehreren Schiffsladungen herangeschafft, verkauft und bei der Arbeit in den umliegenden Kupferminen ausgebeutet.


Die Stadt ist sehr geschichtsträchtig. Die spanische Kolonialherrschaft wurde hier beendet, und vor allem, Jahrzehnte später, begann Fidel Castro hier mit dem Angriff auf die Moncada-Kaserne den Widerstandskampf gegen die Batista-Diktatur. 1959 verkündete er vom hiesigen Rathausbalkon den Sieg der Revolution.


Die Kaserne wird jetzt als Museum genutzt, die jetzt noch sichtbaren Einschusslöcher wurden jedoch rekonstruiert.

Der Parque Céspedes befindet sich im Mittelpunkt der Stadt, hier kann man gemütlich verweilen und die Menschen beobachten.


Abends in der Hoteldiskothek bin ich wieder überrascht und ergriffen von dem Temperament der Kubaner und vom Flair der karibischen Nacht. Beim Tanzen lerne ich Eliza kennen und unterhalte mich den ganzen Abend mit ihr.


Am nächsten Morgen treffe ich mich noch einmal mit meiner Tanzbekanntschaft, Heiner besucht währenddessen die Festung El Morro. Später schwärmt er von dem herrlichen Ausblick auf die Bucht. Sein Taxifahrer fragt ihn auf der Heimfahrt, ob er nicht Lust hätte, in einem „restaurante particular“ zu essen, in einem Privathaus. Er akzeptiert und erhält eine leckere Mahlzeit sowie heimisches Bier, das cerveza clara.


Nachmittags steigen wir in unseren Jeep und fahren ostwärts in den Parque Baconao. Unterwegs besichtigen wir eine Krokodilfarm, allerdings erregen die Tiere, wie sie da so vor den Wasserpfützen liegen, mein Mitleid.

Die nächste Nacht verbringen wir im „Hotel Balneario del Sol“, inmitten einer Ferienanlage. Unser Haus liegt direkt am Wasser, der Strand ist steinig und man tut gut daran, die Sandalen nicht auszuziehen, auch nicht beim Baden.


Auf der Weiterfahrt in umgekehrter Richtung, schließlich ist Havanna unser erklärtes Ziel,

halten wir im Valle de la Prehistoria und sehen uns einige lebensgroß nachgebaute Dinosaurier an.

Einmal noch durch Santiago und dann auf die Hauptstraße, die über Bayamo nach Las Tunas führt. Und wieder das gleiche Bild, Menschen warten an den Straßenkreuzungen auf einen Bus oder LKW, Mopeds und Pferdefuhrwerke bringen die Ankommenden in die einzelnen Ortschaften.


Neben und auf der Straße liegt Korn zum Trocknen. Die Landschaft verändert sich etwas, wir sehen jetzt weniger Zuckerrohrfelder, dafür mehr Wiesen und Weiden, aber auch Getreideland. Magere Kühe weiden an der Fahrbahn, immer begleitet von einem weißen Kuhreiher. Der Verkehr ist sehr übersichtlich, einige Kinder spielen Hula Hupp und gehen, wenn ein Fahrzeug in Sicht ist, zur Seite.


Wir sehen einige Tankstellen unterwegs, für uns bzw. für ausländische Touristen sind ausschließlich die Coupet-Stationen zuständig, sie sind rund um die Uhr geöffnet, haben eine Toilette und manchmal auch eine kleine Snackbar dabei. Ein Liter Benzin kostet 0,90 USD.


In der Bar unseres Hotels in Las Tunas wird gerade Geburtstag gefeiert, zwei Musiker mit Gitarre unterhalten die Gäste. Wir gratulieren und werden aufgefordert, uns dazu zu setzen und mitzufeiern. Heiner erinnert sich an unsere angebrochene Flasche Rum, holt sie aus dem Auto und gibt eine Runde aus. Als ich mir dann eine Gitarre nehme und La Cucaracha singe, das einzige Lied in spanischer Sprache, dessen Text ich auswendig kann, nimmt der Jubel kein Ende.

Besser wir verlassen die Veranstaltung, schließlich hat das Geburtstagskind im Mittelpunkt zu stehen.


Eine junge Frau spricht uns im Foyer an und fragt, ob wir nicht Lust hätten, sie in die Diskothek zu begleiten. Wir sagen spontan zu, sie nimmt ihr Fahrrad und holt eine Freundin ab, wir steigen in unseren Jeep. Doch wie schade, das Lokal hat geschlossen. Die Frauen scheint das nicht zu stören, sie sagen nur „Coupet“ und bitten uns, ihnen zu folgen.

Und tatsächlich, im Kundenraum der hiesigen Tankstelle sitzt eine Reihe junger Leute und lauscht der Musik aus einem Kofferradio, einige tanzen dazu. Wir bestellen ein paar Flaschen Bier und verleben einen interessanten Abend. Improvisation ist alles.


Nun also weiter. Im Jeep ist es schön luftig. Bei Ciego de Avila erreichen wir die Autobahn und es geht etwas zügiger vorwärts, wenngleich auch jetzt noch Pferdefuhrwerke und Traktoren allgegenwärtig sind. Die Verkehrsregeln werden großzügig ausgelegt und es ist kein Problem, auf der Fahrbahn anzuhalten oder zu wenden. Manchmal verkaufen Anwohner Obst und andere Lebensmittel. Ein paar Geier sind mitten auf der Straße mit ihrem Aas beschäftigt und lassen sich durch den vorbei fließenden Verkehr nicht stören.


Wir verlassen die Autobahn und fahren in ein Dorf, um uns zu erfrischen. Sofort werden wir von etlichen Kindern umlagert. Das selbst hergestellte Fruchtgetränk schmeckt sehr gut. Der verlangte Betrag wird in Pesos genannt, nach Tagen das erste Mal, dass wir es mit der einheimischen Währung und nicht mit Dollars zu tun haben. Wir zahlen 50 Cents und erhalten noch etliches an Wechselgeld zurück.



Jetzt, nach dem Wegfall des Eisernen Vorhangs, kann man sich in Kuba frei bewegen. Wir brauchen uns nicht an vorgeschriebene Routen zu halten und können hinfahren, wohin wir wollen.

Bei der Einreise muss eine Touristenkarte, die es u. a. im Flughafen gibt, vorgelegt werden.


Der US-Dollar ist die für ausländische Besucher angesagte Währung, die kubanischen Pesos haben wir nicht mehr benötigt. Jeder Kubaner, der etwas mit Tourismus zu tun hat und dadurch über amerikanisches Geld verfügt, ist im Vorteil und kann in den Hotelshops Waren erwerben, von denen seine Landsleute in der Provinz nur träumen können.


Die sowieso nicht rosige wirtschaftliche Situation hat sich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion noch verschlechtert. Zeiten, in denen Rohöl aus der UdSSR billig importiert und Zuckerrohr teuer exportiert wurde, gehören der Vergangenheit an.


Als Reisender sollte man nur Travellerschecks einlösen, die nicht von amerikanischen Banken ausgestellt wurden, also auf keinen Fall von American Express, sie werden auf Kuba nicht akzeptiert. Wir entschieden uns für Thomas Cook.


In der Dämmerung zu fahren hat mir nicht gefallen, auch nicht auf der Autobahn. Mal bewegt sich ein unbeleuchtetes Fuhrwerk vor uns, mal ein Fahrrad. Dann kommt einem ein LKW mit Fernlicht entgegen und plötzlich sieht man einen Trecker mit defektem Licht vor sich. Wir fahren und fahren, aber kein Schild, das auf ein Hotel oder Motel hinweist.


Auf gut Glück verlassen wir die Straße und nach längerer Suche weist eine Hinweistafel auf eine Unterkunft hin. Aber man kümmert sich gar nicht um uns, nach längerer Aufforderung und höflichem Bitten gewährt man uns ein einfaches Zimmer. Fließendes Wasser gibt es nicht, Duschen ist nicht möglich, auch die Toilettenspülung streikt. Später erkennen wir, dass diese Herberge nur den Einheimischen vorbehalten ist und Touristen gar nicht erwünscht sind.


Das Restaurant hat auch schon geschlossen und nach längerem Zureden fährt ein Mitarbeiter mit uns in das nächste Dorf, klopft an eine Tür und wir erwerben im kargen Schein einer Funzel ein paar Kroketten.


Am nächsten Mittag erreichen wir La Habana (Havanna), checken im alt ehrwürdigen „Hotel Lincoln“ ein und gönnen uns eine ausgiebige Dusche.

Das Haus liegt sehr zentral, etwa 100 m von der weltbekannten Uferpromenade Malecón entfernt. Nach kurzer Erholungspause machen wir uns auf den Weg und gehen in die Altstadt.

Alte baufällige Häuser lassen ahnen, wie schön Havanna einst gewesen sein muss. Etliche Tonnen Farbe wären schon nötig, um den Charme der Vergangenheit wieder ans Tageslicht zu bringen. Die Stadt gehört zum Unesco-Kulturerbe.


Wir besichtigen das Castillo de la Real Fuerza, die älteste Festung Havannas. Auf einem Turm befindet sich das Wahrzeichen, La Giraldilla, ein Wetterfähnchen mit einer Frauenfigur. Und genau diese Figur, Dona Isabella de Bobadilla, ist auch auf den Etiketten der Havanna-Club-Rumflaschen zu sehen.

An einigen Palästen geht es vorbei zur Plaza de Armas, dem ersten Marktplatz der Stadt, bis wir uns längere Zeit auf der Plaza de la Catedral aufhalten und natürlich auch in die Catedral de la Habana hineingehen.


Ein Besuch des wohl bekanntesten Lokals, La Bodeguita del Medio, darf natürlich nicht fehlen. Hier hat Ernest Hemingway seinen besten Mojito getrunken und Fotos mit seinem Konterfei wie auch Spruchbilder an der Wand bestätigen diese Einschätzung.

Auch wir bestellen uns einige Gläser dieses Cocktails, alle Zutaten sind vorrätig, hier mangelt es an nichts. Noch mehr beeindruckt haben mich aber einige Schals von Fußballclubs der Weltspitze als Dekoration an der Wand, der ruhmreiche SV Werder Bremen ist als einziger deutscher Verein vertreten.


Heiner beschäftigt sich in dieser Zeit ausgiebig mit Hemingway, er liest die „Inseln im Strom“ und manchmal höre ich ihn fluchen oder schimpfen, wenn er mit dem Inhalt überhaupt nicht einverstanden ist.


Trotz der renovierungsbedürftigen Häuser, trotz des baufälligen Zustands, die Stadt hat Charme und Esprit. Musik tönt immerfort aus den Häusern, die Menschen geben sich vergnügt. Ein beliebter Treffpunkt ist der Prado oder, wie es richtig heißt, der Paseo Martí, eine frühere Prachtallee mit nach wie vor großen Schatten spendenden Bäumen.


Abends halten wir uns am oder in der Nähe des Malecón auf, hier trifft sich die Jugend, hier verweilen Händler, Liebespaare turteln auf der Ufermauer.


Ein Kubaner aus Bremen bat mich, seiner im Stadtteil Vedado, einem Geschäftsviertel, lebenden Schwester ein Geschenk mitzunehmen. Sie ist leider nicht zu Hause, gern hätten wir einen Tag oder Abend in ihrer Gesellschaft verbracht. So gehen wir zum Abendessen allein ins El Conejito, wo es, wie der Name schon sagt, Kaninchen in allen Variationen gibt. Ein alter Ober aus einer vergangenen Epoche bedient uns.

Es heißt, dass Fidel Castro einmal Hunger auf Kaninchen verspürte und, da es kein entsprechendes Lokal gab, dieses Restaurant bauen ließ.


Zum Stadtbild gehören natürlich auch die alten amerikanischen Autos, jeder Oldtimerfan würde hier voll auf seine Kosten kommen. Die Fahrzeuge sind z. T. 50 oder mehr Jahre alt.


Schweren Herzens nehmen wir Abschied und orientieren uns gen Osten, vor einer Bäckerei hat sich eine große Schlange gebildet, wahrscheinlich ist gerade Brot vorrätig.


Nach einigen Stunden Fahrt erreichen wir das touristische Zentrum der Insel, Varadero, und belegen ein Zimmer im „Dos Mares“. Hier gibt es alles, was das Urlauberherz begehrt, kilometerlanger weißer Sand, Restaurants, Diskotheken, Strandbars, Palmen und klares türkisfarbenes Wasser. Wir schwimmen, liegen in der Sonne und beobachten das Treiben. Ein Kubaner versucht, meinen Tagesrucksack zu stehlen, ich merke es aber noch rechtzeitig und er flüchtet ohne Beute. Später sprechen mich einige Personen, die den Vorfall beobachtet hatten, darauf an.


Vor einer Diskothek warten knapp 100 junge Frauen darauf, von einem Mann eingeladen zu werden, der Eintritt solo ist ihnen verwehrt. Gern kommen wir dieser Verpflichtung nach.

Und auch hier erleben wir wieder eine Stimmung und ein Flair, wie es wohl nur in der Karibik anzutreffen ist.


Leider ist die Zeit doch rapide fortgeschritten und der Abflugtag naht. Wir müssen weiter. In

Sancti Spíritus übernachten wir im „Hotel Zaza“, gelegen am Stausee Presa Zaza.

Gewaltige Mückenschwärme verhindern jegliches romantisches Gefühl. In einem Lokal in der etwa 10 Minuten Fahrzeit entfernten Innenstadt lassen wir den Tag ausklingen.


Am nächsten Abend erreichen wir Guardalavaca. Tags darauf geht es nach Holguin. Im Flughafen beobachten wir einen Zigarrendreher bei der Arbeit, bevor wir unter den Klängen von „Guantanamera“ ins Flugzeug steigen.


Die zweite Reise


Eliza wartet schon in der Empfangshalle des Flughafens und schaut durch die Tür, während Uwe und ich unser Gepäck vom Band nehmen.

Wir hatten in den letzten Monaten einige Briefe gewechselt und sie hatte mir telegrafiert, dass sie mich in Holguin abholt. 1 ½ Tage braucht sie für die Strecke von Santiago zum Flughafen, meist ist sie auf einem LKW mitgefahren.


Uwe ist ebenfalls zum zweiten Mal in Kuba. Auf dem Flug durfte wieder geraucht werden, der Protest der vornehmlich niederländischen Passagiere hat Wirkung gezeigt.

Ein Taxi bringt uns gemeinsam nach Santiago de Cuba und wir checken im „Hotel Universitario“ ein, das „Las Americas“ war leider ausgebucht.


Jetzt, im April 1996, ist es wieder riesig heiß, die Kleidung klebt am Körper. Wir verbringen den Abend zusammen und Eliza schaut sich die vielen Geschenke an, die ich ihr für ihre Kinder mitgebracht habe, Kleidung aller Art, die mir freundliche und hilfsbereite Kolleginnen eingepackt hatten.

Aber der Funke springt nicht über und als sie merkt, dass ich auf ihre Geldwünsche nicht sofort oder gar nicht reagiere verabschiedet sie sich und kehrt auch nicht zurück.


Uwe und ich wandern in die Innenstadt und erholen uns im Schatten des Parque Céspedes. Später nehmen wir ein Getränk im Casa Granda, einem Hotelrestaurant am Park mit wunderschöner Terrasse.


Zum Besichtigungspunkt gehört auch ein Ausflug zur Morro-Festung mit dem unbeschreiblich schönen Ausblick über die Bucht.

Den Abend verbringen wir in oder bei der Calle Heredia, dem gastronomischen Zentrum der Stadt.


Zusammen mit zwei jungen Frauen nehmen wir uns ein Taxi zum Badestrand Playa Siboney, die beiden Begleiterinnen müssen beim Eintritt ihren Ausweis vorzeigen.

Es ist eine schöne kleine Bucht und die Erfrischung im Wasser ist sehr angenehm und tut gut.

Auf der Hin- und Rückfahrt haben wir insgesamt drei Mal eine Reifenpanne, beim ersten Mal kann ja noch der Ersatzreifen gewechselt werden, beim zweiten und dritten Vorfall ist es nicht ganz so einfach. Unser Fahrer fragt, ob wir uns nicht an den Reifenkosten beteiligen wollen, Uwe ist es egal, ich verneine jedoch, später mache ich mir Vorwürfe und ärgere mich, nicht souverän genug gewesen zu sein.

Die letzte Panne ist in Höhe des Valle de la Prehistoria gegenüber einer Kaserne. Während des Wartens haben wir Gelegenheit, uns die Dinos noch einmal anzusehen, werden aber von den Soldaten auch argwöhnisch beobachtet.


Eine unserer Begleiterinnen arbeitet als Kinderärztin in einem Krankenhaus. Sie meint, dass mindestens die Hälfte der Kubaner trotz der Probleme im Lande hinter Fidel Castro steht. Wie es wird, wenn sich die wirtschaftliche Situation immer weiter verschlimmert, vermag sie auch nicht einzuschätzen.


Mit einem privaten Taxi fahren wir am nächsten Tag nach Guardalavaca und gehen wieder in das mir schon bekannte Hotel. Jetzt, in der Osterzeit und in den Ferien, trifft man auf viele Touristen. Abends bin ich allerdings enttäuscht, in den Diskotheken tanzen nur Urlauber, von den Einheimischen keine Spur, wie hat es sich in einem Vierteljahr geändert!

Im „La Roca“, wo im November noch kaum ein Bein an die Erde zu kriegen war, wo Stimmung, Ausgelassenheit und Freude mit den Händen greifbar war, herrscht gähnende Leere. In den Hoteldiskotheken der gleiche Zustand, am Strand nichts mehr los. Die Faszination, das Flair ist dahin.


Was war geschehen? Die Verwaltung, so berichtet man mir, hat den Einheimischen, insbesondere den kubanischen Frauen, jeglichen Aufenthalt in touristischen Zentren verboten. Polizeiwachen überprüfen die Einhaltung dieser Vorschrift. Angeblich haben sich europäische Besucher über die Zudringlichkeit der „jineteras“, Kubanerinnen, die auf schnelle Dollars aus sind, beklagt und beschwert und letztendlich diesen Zustand herbeigeführt. Schade!


Wir bleiben einige Tage in Guardalavaca, abends essen wir vornehmlich privat, in einem casa particular. Es schmeckt sehr lecker, man nimmt Kontakt zu den Mitbewohnern auf und erhält einen schönen Einblick in das private Leben der Kubaner.

Eine Portion Langusten kostet 8 $, für Shrimps werden 6 $ verlangt. Dazu trinken wir das einheimische Bier cerveza clara.


Aber irgendwie können wir unsere Enttäuschung doch nicht ganz ablegen und fahren wieder zurück nach Holguin, die letzten Tage des Urlaubs wohnen wir im „El Bosque“.

In einer Diskothek lernen wir Lisett und Gisell kennen und verabreden uns für den nächsten Tag. Lisett schwärmt für Eros Ramazotti und ich verspreche, ihr einige Musikkassetten zu senden.


Der Ausflug zu einem Mirador, einem Aussichtspunkt, ist ganz interessant und wir haben eine Menge Spaß. Ein biertrinkender Esel ist eine der Attraktionen. In einer Bar zeichnet ein Maler unaufgefordert eine Karikatur von Uwe und mir, eine einheimische Band unterhält uns mit fetziger Musik.


Am letzten Abend besuchen wir die Tanzveranstaltung „Nocturno“ und es wird ein unvergessliches Erlebnis. Eine super Salsa-Band, die farbigen Kostüme und natürlich die hübschen Tänzerinnen, es ist einfach phantastisch. Salsamusik auf diesem Niveau habe ich vorher noch nicht gehört. Einige Kubaner, die uns begleiten, versorgen uns mit Bier, sie brauchen nur einen Bruchteil dessen zu bezahlen, was von uns verlangt wird. Auch der Eintrittspreis für die Show ist für sie erheblich günstiger, aber auch uns werden nur fünf Dollar abverlangt.

Sollte ich noch einmal nach Havanna kommen, werde ich die dortige populäre Veranstaltung, das Tropicana, auf jeden Fall besuchen.


Etwas schwermütig, schließlich geht es morgen wieder nach Hause, fahre ich mit einem Taxi ins Hotel und unterhalte mich etwas mit dem Fahrer.

Er ist Sportlehrer und verdient 250 Pesos im Monat, was umgerechnet etwas mehr als 10 USD sind. Sein Auto, ein 53 Jahre alter Dodge, wurde ihm vor 30 Jahren von seinem Vater geschenkt. Um zurecht zu kommen. muss er mehrere Jobs annehmen.

Pro Jahr steht ihm eine Ration von zwei mal 20 Litern Benzin zu, für einen Liter muss er zwei Pesos! bezahlen. Also werden Freunde und Verwandte aktiviert, um an genügend Treibstoff für seine Geschäfte zu kommen.


Etwas irritiert von dieser Menge an Informationen nehme ich noch einige Drinks in der Hoteldiskothek.

Am nächsten Morgen werden wir von unseren Bekannten zum Flughafen begleitet und herzlich verabschiedet.

Fakten, Wissenswertes, Aufgeschnapptes


Kuba ist die größte Insel der Antillen und hat etwas mehr als 10 ½ Mio. Einwohner, in der Hauptstadt Havanna leben 2,2 Mio. Einwohner.


70 % der Bevölkerung ist weiß und stammt hauptsächlich von den Spaniern ab, 17 % sind Mestizen und Mulatten, 12 % der Menschen sind Schwarze.


Eine Staatsreligion gibt es nicht.


Die Kubaner haben einen hohen Edukationsgrad, es gibt viele Menschen mit höherer Schulbildung, wir treffen einige, die in der DDR studiert haben.


Die medizinische Versorgung bewegt sich auf einem hohen Standard.


Politische Schlagzeilen wie die Invasion in der Schweinebucht (1961) und die Kubakrise (1962) will ich hier nicht weiter kommentieren, man mag es in den jeweiligen Geschichtsbüchern nachlesen.

Die wirtschaftliche Blockade zwischen den USA und Kuba besteht weiterhin.


Durch einen Pachtvertrag aus dem Jahr 1903 nutzt die USA einen Marinestützpunkt bei Guantánamo. Er ist zur Zeit (2004) häufig in den Nachrichten zu hören, da Islamisten, Terroristen und solche, die dafür gehalten werden, dort inhaftiert sind, auch ein Einwohner Bremens, ohne dass es je zu einer Gerichtsverhandlung oder Verurteilung gekommen ist.



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