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Reisebericht: Ostern im Roussillon - zum Zweiten

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Rolf F.

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OSTERN IM ROUSSILLON - zum Zweiten


In diesem März war es nun das zweite Mal, daß wir Ostern in unserer zweiten Heimat waren - in Südfrankreich am Mittelmeer in Sichtweite der Pyrenäen unweit der spanischen Grenze. So sahen wir dieses Osterfest als eine natürliche Fortsetzung des vor drei Jahren Erlebten an. Wir waren wieder besonders gespannt auf die vielfältigen Osteraktivitäten in den Dörfern und Städten des Roussillon.
Im Jahr 2005, als Ostern ebenfalls so zeitig im Jahr lag, hatten wir die berühmte Karfreitags-Prozession de la Sanch in Perpignan gesehen, waren am Ostersonntag in Canet-en-Roussillon, um den Sardane-Tänzern zuzusehen und hatten am Ostermontag bei strahlendem Sonnenschein ein österliches Dorffest in Saint Cyprien erlebt mit Gesang, katalanischen Tänzen und vor allem dem "Teilen des österlichen Omeletts", einem köstlichen Rührei in frischem Baguette. Vgl. dazu meinen früheren Reisebericht Ostern im Roussillon hier bei join my trip.

Goigs del ous

Nach der Lektüre des "INDÉPENDANT" stand der Plan für unsere Osterausflüge fest. Am Ostersonnabend sollte in Saint Cyprien - wie in anderen Orten auch - der katalanische Brauch "Els Goigs dels ous" gepfegt werden. Wörtlich übersetzt heißt dies "Eierfreuden" und steht für das gemeinsame Singen traditioneller Osterlieder. Dazu treffen sich Männer, Frauen und Kinder, um begleitet von einigen Musikinstrumenten im Chor katalanische Osterlieder zu singen. Als Dank erhalten die Sänger dann Eier, Wein, Würste u.ä., die sie in den mitgebrachten Körben sammeln. Wir hatten in der Zeitung von Orten gelesen, wo mit den "Goigs dels ous" Schokoladeneier gesammelt werden sollten - diese werden dann an einem weiteren Termin zu Ostern an die Kinder verteilt.
In Saint Cyprien diente dieser uralte Brauch dazu, die "Partage de l'omelette pascale" (das Teilen des Osteromeletts - das Dorffest vom Ostermontag) vorzubereiten. Die Gruppe der Sänger zog hier von Händler zu Händler, von Laden zu Laden, wo sich ihre Körbe mit Eierpackungen und den katalanischen Blutwürsten "Boudin noir" füllten.
Am Ostermontag wollten wir wie drei Jahre zuvor auch von dem Osterrührei profitieren. Als wir dann auf dem Dorfplatz waren, mußten wir leider feststellen, daß das Fest wegen des sehr kalten Wetters in den Saal verlegt worden war. Schade!

Trobada gegantera - Fête des géants

Dafür aber war der Ostersonntag spannend. In Villefranche-de-Conflent, einem Städtchen in den Pyrenäen, das zu den "Schönsten Dörfern Frankreichs" (Les Plus Beaux Villages de France) zählt, sollte ein Fest der Riesen stattfinden. In der Zeitung war von einem Umzug, vom Tanz der Riesen und von der Vorbereitung ihres Auftritts auf dem Platz vor der Kirche zu lesen. Das wollten wir genauer wissen und uns nicht entgehen lassen.

Dazu muß man wissen, daß Villefranche-de-Conflent an sich schon einen Ausflug wert ist. Diese kleine mittelalterliche Festungsstadt liegt im engen Tal des Têt. Der Ort besteht im wesentlichen nur aus zwei kleinen Straßen und ist von einer hohen Stadtmauer umgeben, die auch heute noch vollständig erhalten ist. Deswegen erinnert sie durchaus an das berühmte und in der gleichen Region liegende Carcassonne, ist aber bei weitem nicht so groß. Hoch über der Stadt thront eine weitere Festung, erbaut von Vauban, dem Festungsbaumeister von Ludwig XIV., und genannt Libéria. Vauban hat seinerzeit auch die Befestigung der Stadt weiter ausgebaut, wie wir bei einem Besichtigungsrundgang über die Stadtmauern lernen konnten. Villefranche und das ganze neu zu Frankreich gekommene Roussillon mußte damals gegen die Spanier gesichert werden.


Nachdem wir durch das hübsche Städtchen gebummelt sind und bei der Besichtigung der Stadtmauern auf diesen fast um das ganze Städtchen herumgelaufen sind, haben wir uns schließlich auf einer Bank auf dem Kirchplatz niedergelassen, um beim Beginn des "Festes der Riesen" ganz nah dabei zu sein.

Tatsächlich wurden sehr bald riesige Figuren aus der Kirche herausgetragen und auf dem Platz aufgestellt. Diese Figuren sind über einem Metallgestell aufgebaut, so daß ein (kräftiger) Mann hineinklettern und sie tragen kann. Die Riesen verkörpern meist historische Gestalten der Region und sind mit traditioneller Kleidung herrlich ausstaffiert. Ihre Köpfe sind aus Pappmaché sehr kunstvoll und detailreich modelliert. Viele der Riesen bildeten zusammengehörige Paare wie König und Königin oder Ritter und Burgfräulein usw. Hier in Villefranche waren unter anderem das historische Paar Sancha de Barcelona und Guillem Ramón, Conde de Cerdanya, vertreten. Auch andere Orte aus dem Roussillon sind mit ihren eigenen Riesen zu dem Fest gekommen, aus dem spanischen Katalonien waren 6 Orte vertreten. Der Platz füllte sich immer mehr, mit Riesen und neugierigen Zuschauern. Als das Fest richtig losging und die Riesen zur Musik einer kleinen Künstlergruppe mit historischen Instrumenten paarweise zu tanzen anfingen, fing es an zu schneien! Wir waren zwar in Südfrankreich, aber eben in den Pyrenäen. Auch hier dräut der Winter und muß offenbar durch solche Feste, mit denen die bösen Geister verjagt werden und der Frühling herbeigerufen wird, vertrieben werden. So wurde umso lauter gespielt, und ein paar Gruppen junger Leute tanzten und sangen sehr temperamentvoll. Und es hat geholfen! Der leichte Schneefall dauerte keine 10 Minuten - dann schien wieder die Sonne, und der Umzug der Riesen duch die Straßen der Stadt vor deren Tor und wieder zurück konnte begleitet von Tausenden begeisterten Zuschauern beginnen.

Es war für uns ein wirklich neuartiges Erlebnis. Später haben wir herausgefunden, daß es sich hierbei nicht um eine spezielle Ostertradition handelt. Feste der Riesen sind seit dem Mittelalter sehr verbreitet im Norden Frankreichs und im heutigen Belgien, aber auch in anderen Landstrichen und Ländern (Italien, Spanien) und besonders aktiv in ganz Katalonien und werden verteilt über das ganze Jahr gefeiert, wobei der Schwerpunkt ohne Zweifel auf dem Frühjahrsanfang liegt. Die Riesen stellen auch in anderen Gegenden oft die Schutzpatronen der Städte und andere wichtige Gestalten der Geschichte dar.



Kommentare

Re:

 

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Rolf F. sagt dazu...

Schorsch schrieb:
die menschen bereiten sich scheinbar das ganze jahr auf dieses fest vor...

Ich denke, das ist vergleichbar mit den Karnevalsclubs und -vereinen in vielen Regionen Deutschlands. Auch dort beschäftigen die Auftritte und Wagen die Aktiven das ganze Jahr:
Nach dem Fest ist immer wieder vor dem Fest!

 
 

 

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Schorsch sagt dazu...

über diese großen pappmaché figuren hab ich schon einmal einen bericht gesehen. die menschen bereiten sich scheinbar das ganze jahr auf dieses fest vor...

 
 

 

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Rolf F. sagt dazu...

Zitat:
Die Fotos sind doch von der niegelnagelneuen joinmytrip Kamera oder?

Genau! Jedenfalls die meisten, ein paar wenige hat allerdings auch meine Frau mit ihrer Kamera beigesteuert.
Aber ich bin sehr zufrieden mit der kleinen Kamera, die mich praktisch überall hin begleitet.

 
 

 

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Weltenbummler sagt dazu...

Die Fotos sind doch von der niegelnagelneuen joinmytrip Kamera oder?

 
 

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