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Reisebericht: Patagonien Teil II
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Von El Bolson ging es in das sehr touristische Bariloche. Ein kleiner, gemuetlicher aber doch sehr touristischer Ort. Wir hatten erstmal keine Unterkunft im voraus gebucht und dies sollte sich sehr schnell als ein Fehler herausstellen, da wir von einem Hostel zum naechste laufen mussten, um eine Unterkunft zu finden.
Als Belohnung für die ganzen Qualen, konnte ich mich im Anschluss mit leckerer Schokoladen vollstopfen, die wir schon in El Bolson gekauft haben. Ich wollte sie eigentlich langsam essen und den vollen Geschmack auskosten, bis ich in Bariloche feststellen durfte, das so gut wie jeder zweite Laden ein Feinkostschokoladenshop war... JUHU!!!! Und die Schokolade ist einfach nur hmmmmmm.... Na gut, dass sollte sie bei dem Preis auch sein.
Nach einem Tag organisieren und schlechtem Wetter abwarten, ging es am folgenden Tag auf einen 30km Fahrradtrip entlang einiger Seen von Bariloche. Die Bergabfahrten waren klasse, aber die Bergaufteile, die logischerweise dazugehoerten seeeeeeeeeeehr anstrengend. Dafuer waren die Ausblicke und sowieso die gesamte Umgebung einfach nur super. Ich kann mich nur wiederholen, denn wir hatten es schon wieder mit einer Postkartenlandschaft zu tun...
Fuer die naechsten 2 Tage sind wir in den Parque Nacional Nahuel Huapi gefahren und haben uns fuer einen Trek zum Otto Meiling Refugio am Mount Tronador entschieden.
Die ersten 10 km des Treks waren super. Man hatte zwar keine fantastische Aussicht wie auf dem Trek zum Cerro Torre, aber es ging gemütlich durch einen Wald und nur langsam bergauf. Bis zu diesem Teil waren wir beide davon ueberzeugt, dass uns die letzten Wochen trekken unglaublich fit gemacht haben, da der ganze Trek als Medium schwer angegeben wurde und wir so gar nicht aus der Pust kamen. Aber wie sich dann schnell heraustellen sollte, sind wir ein wenig zu voreilig gewesen unsere Fitness zu beurteilen. Insgesamt handelte es sich um einen 18km Trek mit 1.1km Hoehenunterschied die wir bewaeltigen mussten. Nach den 10km und unserer Idee von wahrscheinlichen ueberwundenen 800 Hoehenmetern wurden wir schnell etwas besserem belehrt.
Es ging steil bergauf... Und ich meine steil. Ich glaube wir hatten bis zu diesem Zeitpunkt nicht einmal 500 Hoehenmeter geschafft. Nachdem wir nach einer Stunde steilem bergauflaufen den Wald hinter uns liessen und in der Fern eine winziges Haus in der Naehe des Gletschers sehen konnten, wussten wir, dass die ersten 10km ein Spaziergang gewesen sind. Aber die Aussicht wurde immer besser. Wir konnte den ersten Gletscher an einer Klippe enden sehen und dann sahen wir die Wasserfaelle die unter dem Eis in die Tiefe stuerzten.
Es war schwere Arbeit, zumal sich der Weg am Ende in ein Steinfeld verwandelte, aber als wir oben ankamen, waren alle Muehen wie weggeblasen. Der Ausblick auf den Mount Tronador, die Gletscher und Taeler drumherum war einfach maerchenhaft. Kein Berg und keine Wolken stand unserem Blick im Weg (ausgenommen vom Trondaor natuerlich) und wir konnte die Aussicht bei strahlendem Sonnenschein ueber einen grossen Teil der Anden geniessen. Man hatte das Gefuehl zu fliegen und die zwischendurch immer wieder abbrechenden Stuecke vom Gletscher, die mit lauten Knaellen in die Tiefe stürzten, machten die Atmosphaere noch perfekter.
Wir sind ueber Nacht in dem kleinen Refugio geblieben und haben am naechsten Morgen noch ein wenig die Umgebung erkundet. Auf den Gletscher und hoch zum Tronador konnten wir leider nicht, da an diesem Tag kein Guide im Refugio war. Nun, eherlich gesagt war ich auch noch nicht wirklich fuer einen weiteren 12 Stunden Marsch zu haben, obwohl ich den Ausblick vom Tronador sehr gerne gesehen haette.
Von Bariloche ging es dann Richtung Junin de los Andes ein kleiner Ort und anliegender gleichnamiger Nationalpark mit einem schneebedeckten Vulkan (Lunin).
Wir haben uns entschieden eine Nacht im Park zu bleiben, was sich auch als ein gute Idee herausstellte, nachdem man uns aufgrund von 3 Minuten Verspätung nicht mehr fuer den Trek am gleichen Tag zum Vulkanbasislager registrieren wollte. Leider war der Park, wie in Esquel, nicht zu gut organisiert und eher fuer Touris mit Auto ausgestattet, so das wir nicht wirklich eine Idee hatten, wo wir die Nacht verbringen konnten. Aber nach einer Weile haben wir eine witzigen alten Argentinier gefunden, der uns eine kleines Haus fuer die Nacht ueberliess. Das einzige Problem war, dass er kein Wort Englisch sprach und er zu denken schien, dass je schneller er Spanisch sprach, wir ihn um so besser verstehen wuerden.
Am naechsten Morgen ging es hoch zum Basiscamp des Vulkans. Der Trek entlang von Fluessen, glassklaren Baechen, Wiesen mit wilden Blumen und durch Waelder war mal wieder atemberaubend ... Am Fusse des Vulkans konnten wir an einem kleinen Bach, super schoener Umgebung und Blick auf den Vulkan Mittagessen, bevor es wieder auf den Rueckweg ging.
Von Junin de los Andes mussten wir uns nun auch von Patagonien verabschieden. Wir hatten eine mehr als fantastische Zeit und die einfach maerchenhafte Landschaft war jeden Besuch und Trek Wert!
Von Junin de los Andes ging es in einer langen Busfahrt nach Mendoza und die argentinischen Weingebiete. Leider sind wir an einem Sonntag angekommen und da Argentinen Sonntags fuer gewoehnlich erst gegen 17:00 Uhr, wenn ueberhaupt, erwacht, gab es den Tag nicht wirklich viel zu tun. Den Montag mussten wir somit fuer organisatorische Sachen nutzen (da auch Interentcafes am Sonntag geschlossen sind) und haben danach lediglich Mendozas City ein wenig erkundet.
Am naechsten Tag sind wir mit dem Bus in eines der Weingebiete gefahren, haben uns Fahrraeder geliehen und die unterschiedlichen Weine probiert. Es war ein witziger Nachmittag, obwohl wir eher gemuetliche kleine Seitenstrassen mit jeder Menge Weinreben und kein Radfahren entlang einer Hauptstrasse erwartet haben.
Da wir ein wenig mehr von Mendoza erwartet haben, sind wir bereits nach drei Tagen Richtung Uspallata aufgebrochen. In dieser Gegend wurden viele Teile vom Film ´Sieben Jahr in Tibet´ gedreht und wir konnten kaum abwarten die Umgebung kennenzulernen.
Am Besten liess sich dies natuerlich auf einem Tagesausritt mit einem Trek zu einem Aussichtspunkt verbinden. Der Ausritt hat echt super Spass gemacht und die Gegend war mal wieder umwerfend, obwohl mir die Pferde beim bergauf Part doch leid taten. Vom Aussichtspunkt hatten wir einen fantastischen Blick auf den Aconcagua, der mit seinen 6962m der hoechte Berg in Amerika ist.
Leider gab es auf dem Rueckweg noch einen kleinen Reitunfall... Josh ist im Galopp vom Mule gefallen... Und das obwohl er sich diesmal wirklich super gut gemacht hat. Sein Mule, auf das er so stolz war bekommen zu haben, ist ueber einen Stein gerutscht und hat Josh aus dem Gleichgewicht gebracht. Wir mussten sogar ins Krankenhaus und er musste an seiner Huefte mit zwei Stichen genaeht... Ich hoffe, ich habe ihn nicht zu sehr vom reiten abgeschreckt.
Nach nun guten 5 Wochen trecken und fantastischen Berglandschaften ging es Richtung Buenos Aires und unserer ersten grossen Stadt in Suedamerika. Wir sind in San Telmo abgestiegen, um die Atmosphaere der alten Koppelstrassen und Haeuser geniessen zu koennen. Es ist eine einfach fantastische Stadt, die wie jeder immer behauptet nie schläft. Und bis auf am Sonntag abend an dem die Restaurants bereits um 12:00 Uhr nachts schliessen, kann man nichts anderes behaupten. Vor allem die kleinen Märkte am Sonntag, lassen die Strassen von San Telmo zu einem wahren Erlebnis werden. Die Stadt hat einfach einen unglaublich gemütlichen Flair!
Wie es einem jeder empfiehlt, wollten wir eigentlich zu einem Fussballmatch gehen, aber leider werden die fuer Touristen so unglaublich teuer angeboten, da man Tickets fuer einen bestimmten sicheren Bereich braucht und ausserdem einen Guide dabei haben sollte. Obwohl wir beide die Atmosphaere gerne miterlebt haetten, war unser Fussballinteresse wahrscheinlich doch ein wenig zu gering... Als Alternative haben wir uns fuer einen Tangoabend entscheiden, nun ja, ich glaube es war eher meine als Josh's Entscheidung... Er versucht sich mit seiner schweren Hüftverletzung den Tanzstunden zu entziehen, was aber nicht funktionieren sollte...
Wir wussten beide nicht, was wir erwarten sollten, aber es stellte sich nicht als eine typische Touriveranstaltung heraus. Es war ein kleines, altes Warenhaus, dass in einen Tanzclub verwandelt wurde und wir waren von jeder Menge locals umgeben, die ihren Sonntagabend ein wenig aufleben lassen wollten.
Wie man es erwartet, hatten wir zur Tanzstunde einen Lehrer und eine Lehrerin. Während Josh noch auf weitere Backpacker hoffte, die ihm ein wenig Unterstützung in seiner Not bieten konnten, hatte ihn die Lehrerin auch schon nach weniger als 1 Minute tanzen zur Seite gezogen, um ihm die Schritte nochmal zu erläutern. Zunächst war er überzeugt, dass es nur Zufall gewesen sei, als dann aber der Lehrer nach 3 weiteren Minuten auch nochmal auf ihn zukam und er dann mit ihm tanzen musste, war er sich der ganzen Sache nicht mehr zu sicher. Wir hatten in jedem Fal super viel Spass und haben gelacht was das Zeug hält. Und am Ende hat er sich wirklich gar nicht so schlecht geschlagen :-) (Josh war sogar so motiviert, dass er die Schritte bei jeder Gelegenheit wieder üben wollte)
Neben den Tangostunden ging es somit auf den Markt in San Telmo und durch die Stadt, zu den bunten Häusern in La Boca und auf eine der komischten Touristenattraktionen von der wir beide je gehört haben, dem Friedhof Cementiero de la Recoleta. Da alle reichen und berühmten Leute hier beerdigt wurden, hatten manche der Gräber die größe von Appartments, was doch wieder beeindruckend war, wobei die Beerdigung, die zur Zeit unseres Besuches stattfand, uns doch ein wenig unwohl hat fühlen lassen.
Nach 5 Tagen Buenos Aires ging es dann in einem langen 20 stündigen Bustrip, den wir letztmalig in der 1 Klasse genossen haben, nach Iquazu.
Die Wasserfälle waren einfach der Hammer. Wir haben den ersten Tag auf der argentinischen Seite verbracht. Die ersten Fälle die wir sehen konnte, haben uns schon richtig beeindruckt, aber je länger man lief um so mehr Wasserfälle konnte man sehen. Das Faszinierende war, dass sie alle aus einem tropischen Pradies umringt von Regenwald zu kommen schienen. Und wenn man den kleinen Zulauf zu manchen Wasserfällen sah, hat man einfach nicht mit einem so riesigen und starken Fall von Wassermassen gerechnet. Wir konnten beide nicht glauben, wie unglaublich kraftvoll sie waren und wieviele sich auf einmal vor unseren Augen auftaten. Die Wassermassen waren einfach unbeschreiblich. Während du im ersten Moment dachtest in einem Paradies mit einem kleinen Wasserfall zu sein, unter dem du schwimmen kannst, kam im nächsten Moment ein unglaublich kraftvollen zusammelaufender Wasserfall. Wir konnten über einzelne Brücken über die Wasserfälle laufen und nach unten schauen, wobei die Gischt jeglichen Blick bis zum Ende verspeert hat und du oftmals einfach nur klitschnass wurdest. Der Aufbau ist einfach klasse. Und der Diablo ist einfach ein Monster an Wasserfall, was ich in dieser Größe und Kraft noch nie gesehen habe.
Wir haben als ein Highlight ein kleine Bootstour gebucht, bei der Speetboote bis unter die Wasserfälle gefahren sind. Es war einfach nur klasse, obwohl ich manches Mal gedacht habe, dass das Boot vielleicht doch keinen Centimeter weiter unter den Wasserfall fahren sollte. Alleine die Strömung und die Wellen durch die wir durchmussten haben einen den atem geraubt und hätten einem definitiv keine einfache Chance zum herauskommen geben...
Am nächsten Tag ging es auf die brasilianische Seite, und wir verabschiedeten uns von einem wunderschönen Land, in das ich hoffentlich nochmal zurückkehren werde. Wert ist es in jedem Fall jede Reise!!!
Auch die brasiliansche Seite der Wasserfälle ist einfach einen Besuch Wert, wobei es nicht soviel kleine Highlights wie in Argentinien gibt. Dafür gibt es ein großes Highlight, bei dem eine Brücke bis in die Mitte der Wasserfälle ragt und man von links, rechts, vor und unter einem nur von unglaublichen Wassermassen umzingelt ist und einfach nur klitsch nass wird.
Es war ein super Erlebnis und auf seine Art und Weise einzigartig!
Von nun an sollten unsere letzten 2 Wochen in Brasilien starten und wir hatten uns beide auf gemütliche Entspannungsstunden an traumhaften Stränden mit glassklarem blauen Meer gefreut. Leider hatte uns keiner vorgewahnt, dass trotz Hauptsaison auch Regenzeit in Brasilien herrschte. Der Regen konnte nicht wirklich viel Gutes zu dem sowieso schon absolut überteuerten Land bei. Die Busen waren dreimal so teuer wie in Argentinien und konnten nicht einemal die Hälfte an Bequemlichkeit Comfort anbieten, Dorms wurden zu guten $30 pro Person angeboten, die Supermärkte hatten zum Teil mehr als europäische Preise, usw. Obwohl man den Basilianern zugute halten muss, dass sie doch oftmals freundlicher und hilfreicher als Argentinier sind.
Nun ja, die 2 Wochen in Brasilien endeten oftmals im Regen und Zimmer und wir hatten insgesamt 2 oder 3 gute SOnnentage, die dann im europäischen 'Ich werde braun gebraten, egal zu welchem Preis' ausarten mussten, um sich überhaupt in einen Strandurlaub versetzt gefühlt zu haben.
Zugegeben, an diesen drei Tagen hatten wir fantastische Strände, super Meer (mit allerdings doch zu starken Strömungen und Wellen) und den Dschungel direkt hinter uns... Allerdings fehlt natürlich auch die netten Bikini Mädels nicht, wobei sie nicht wirklich den typisch brasilianischen Vorstellungen entsprachen (sie folgten eher dem Motto 'Ich bin dick...Ich weiss es auch... Es ist mir aber egal, denn ich quetsche mich trotzdem noch in den Bikini Größe 34 rein.'). Auch den Brasilianischen Tourimassen konnte man leicht durch einen guten 10 Minuten Fußmarsch entkommen, da sie ein recht fußfaules Volk zu sein scheinen und sich alle lieber alle zusammen auf einen Fleck am Strand in der Nähe des Parkplatz drengen.
Uh, was ich fast vergessen hätte, und das zählt für Basilianer wie auch Argentinier, sie haben einen Zwang zum Fotos machen. Und dabei spreche ich nicht von den wunderschönen Landschaften oder Stränden... Man kann schon garantieren, dass egal wo und egal wann, Fotos im vollen Zoom und von den wunderschönen Stränden abgewandt, direkt auf das Gesicht halten gemacht werden. Für jedes Foto wurde wirklich immer maximal 1cm für den Hintergrund eingerechnet.
Nun ja trotz des Wetters und der teueren Preise, haben wir einige sehr schöne Strände sehen dürfen... Sei es in Pantano do Sul im Süden von Ilha Santa Catarina (wo wir auch noch eine letzte Carnevalsfeier mitbekommen konnten), auf Ihla do Mel oder einem kleinen süßen, aber nicht günstigeren Ort Namens Trindade in der Nähe von Paraty.
Von Paraty ging es zu unser letzten Station Rio de Janeiro und auch dort wollte das Wetter nicht mitspielen. Im Regen haben wir uns die Copacabana angesehen aber konnte uns im Anschluss zu nichts weiterem aufraffen und sind somit zu Josh's absolutem Vergnügen nochmal shoppen und einen guten Vorrat an Havaianas kaufen gegangen:-) Natürlich wollten wir auch unbedingt noch die Christusfigur anschauen... Somit ging es hoch als gerade einmal die Sonne durchkam. INnerhalb von Minuten und kurz nach Aufbruch mit dem Taxi sollte die Sonne allerdings schon wieder von Wolken bedeckt werden und als wir an der Statue ankamen konnten wir trotz 2 Metern Entfernung lediglich die Zehen erkennen :-) Es hellt noch einmal ein wenig auf, aber das wars auch und somit waren die nächsten $35 pro Person verschwendet :-)
Und dann kam auch schon der Tag X der Abreise... Wir hatten beide ein wenig Vorfreude, aber auch ein wenig Wehmut im Bauch, aber so wie die Reise einst anfing, findet sie doch irgendwann auch ihr Ende.
Wir hatten eine fantastische Zeit und durften so viele unterschiedliche Eindrücke sammeln, die ich niemals vergessen werde! Es war eine Erfahrung die ich nicht missen möchte und die mir viele Dinge gelehrt hatte, die ich niemals zu schätzen gewusst hätte.
Wie Mark Twain sagt:
Twenty years from now you will be more disappointed by the things that you didn't do than by the ones you did do. So throw off the bowlines. Sail away from the safe harbor. Catch the trade winds in your sails. Explore. Dream. Discover.
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