Segler & TripLeader Torsten erklärt - Segeltörn (Teil 2)

von Torsten am 19.12.2019

Revier, Skipper, Organisator

Worauf ist bei einem Segeltörn zu achten? Es gibt einige Eignungs- und Qualitätsmerkmale zu berücksichtigen. Wir haben mit unserem TripLeader Torsten unter anderem über die Punkte Revier, Skipper und Organisator gesprochen. Außerdem hat er uns verraten, was die Zukunft so bringen wird. In Teil 1 dieses interessanten Einblicks hat er uns davon berichtet, worauf es bei einer Yacht ankommt - die Yacht an sich, Vercharterer, Versicherungen und Vertrag. Bereit für Teil 2?


Revier: Welches Revier ist für welchen Segeltörn geeignet?

Das ist stark von persönlichen Präferenzen und dem Budget abhängig. Alle Törns, die ich in den letzten 10 Jahren in Kroatien, Griechenland, Thailand, Karibik, Malaysia, an der Ost- und Nordsee sowie auf den Balearen und Kanaren gemacht habe, waren auf ihre Art eine beeindruckende Erfahrung. Das Mittelmeer ist natürlich recht schnell und gut zu erreichen, bietet viel Infrastruktur und ist daher für kleinere Yachten/Gruppen oft attraktiv. Noch näher und je nach Wetterlage auch durchaus für sportlicheres Segeln interessant sind Nord- und Ostsee. Für das richtige Entdeckerfeeling mit Tauchen etc. bieten vor allem die Karibik, Asien und die Südsee fantastische Segelrouten.  

Während die Balearen und das Gebiet bei Korsika und Sardinien auch Sandstrände bieten, so finden sich in Griechenland und Kroatien eher schroffere Küsten. Kroatien bietet mit den weitgehend unbewohnten Inseln, den Touristenhochburgen Brac, Hvar, Korcula und Vis in Mitteldalmatien sowie den etwas ruhigeren Inseln Mjlet und Lastovo mit viel Nationalparkgebiet in Süddalmatien vielfältige Optionen, die alle auch für Segeleinsteiger geeignet sind. Mindestens genauso vielfältig ist Griechenland mit den eher ruhigen Segelgebieten im sardonischen Golf und den ionischen Inseln sowie den windigen, weitläufigen Kykladen und Dodekanes. 

In Thailand und Malaysia ist zur typischen Reisezeit von November bis April eher weniger Wind zu erwarten. Dafür finden sich dort großartige Strände, Mangrovenwälder, Tauchplätze sowie Möglichkeiten, die lokale Kultur zu erkunden. Distanzen können kurz gehalten werden, sodass auch Segelanfänger dort gut aufgehoben sind. Kulturell vielfältig ist auch die Karibik, worunter der große Bereich der ABC-Inseln von den kleinen und großen Antillen bis Belize fällt. Zugleich gibt es dort dank des Passatwindes nahezu eine Garantie für Wind - was aber auch teilweise ordentlich Wellengang bei den oftmals durchaus längeren Passagen zwischen den Inseln mit sich bringt. 

Segelboot in Gewässer bei Sonnenschein, im Hintergrund ein Stück Land

Skipper: Welche Rolle spielt der Skipper und seine Qualifikation?

Der Skipper ist für den Segeltörn in mindestens zweierlei Hinsicht relevant. Vor allem ist er für die sichere Schiffsführung verantwortlich. Zugleich kommt ihm aber oft auch die Funktion des Moderators und Gruppenorganisators zu. Bei entsprechendem Interesse sind weitere, je nach Törncharakter und Persönlichkeit häufig vorkommende Nebenrollen die eines Segellehrers, Animateurs oder Reiseführers. 

Je anspruchsvoller das Revier grundsätzlich ist, desto wichtiger ist entsprechend umfangreiche Segelerfahrung - vor allem, wenn gegebenenfalls herausforderndes Wetter oder geringe Crewkompetenz dazu kommen. Seemeilen und Scheine sind dafür sicherlich ein Maßstab, jedoch ohne weitere Informationen selten wirklich aussagekräftig. Hilfreich sind in jedem Fall Erfahrungen in unterschiedlichen Revieren auf unterschiedlichen Yachttypen und -modellen in unterschiedlichen Törnmodellen von Urlaub bis zu mehrtägigen Hochseepassagen mit Crews mit verschiedenen Kompetenzen. Je nach Törnausprägung können anderweitige Berufserfahrungen, zum Beispiel als Führungskraft, Koch, Barkeeper, Reiseleitung oder ähnliches hilfreich sein. 

Wer keine Möglichkeit hat, sich vorher genauer über den Skipper zu informieren, zum Beispiel bei vielen Kojencharteranbietern, die erst kurz vor dem Segeltörn Skipper festlegen, oder sich eine eigenständige Bewertung eines Skipperprofils nicht zutraut, der findet hier eine Übersicht über die Bedeutung bzw. Anforderung typischer Scheine inklusive Angaben dazu, welche bei gewerblicher Fahrt wofür erforderlich sind. Für einen typischen Urlaubstörn ist ein deutscher Sportseeschifferschein (SSS) oder englischer Yachtmaster Coastal in Verbindung mit wenigstens 2500 Seemeilen vielleicht ein guter Ansatzpunkt. Für einige Fahrgebiete sind jedoch auch ein kleinerer Sportküstenschiffer (SKS) und weniger Meilen (bei gewerblichen Versicherungen oft 1500) formal als Minimum ausreichen. 

Blick von Mast runter auf Segelboot in klarem Wasser

Organisator: Worauf ist beim Organisator zu achten?

Beim Organisator sind zwei Themenbereiche zu betrachten. Zum einen beeinflusst er natürlich wesentlich die Ausgestaltung von dem Segeltörn, da er sich um die Revier- und Yachtauswahl, die Crewzusammensetzung und zumeist auch um mindestens einen groben Törnplan kümmert. Zum anderen legt er auch den rechtlichen Rahmen fest, also ob es wirklich eindeutig privat, klar Kojencharter und damit Pauschalreise oder etwas dazwischen ist. Es ist nicht klar einzuordnen, wenn Skipper und/oder Organisator zwar keine über Kosten hinausgehende Vergütung erhalten, aber als Teilnehmer reduzierte oder keine Kosten tragen, da dann unterschiedliche Betrachtungspunkte wie Finanzamt, Auslegung der See-Sportbootverordnung (SeeSpbootV) der BG Verkehr, Versicherung, Arbeitsrecht im EU-Ausland etc. zu berücksichtigen sind.

Mit Blick auf den Organisator kommt die Frage auf, wie früh im Planungs- und Buchungsprozess die Punkte transparent und festgelegt sind und wieviel Erfahrung damit besteht. Bei der Crewzusammensetzung muss man sich fragen, ob in dem Extremfall, wenn Skipper und Organisator dieselben sind, sehr genau auf eine gute Mischung von Persönlichkeiten und Qualifikation von Teilnehmern, die zum Charakter von dem Segeltörn passen und möglichst ähnliche Ziele für den Törnzeitraum haben, geachtet und individuell ausgewählt wird. Der andere Extremfall ist ein Massenkojencharter, bei dem jede Buchung akzeptiert wird um möglichst viele Yachtwochen zu füllen – wobei es dabei sowohl solche gibt, die nach Buchungen in Flottillen (Flottillen = kleine Gruppen von Booten, Verkleinerungsform des Wortes Flotte) mit Mühe auf eine möglichst gute Verteilung auf einzelne Yachten achten, als auch solche, die sich diesen Aufwand ersparen.   

Törnmodelle: Kojencharter, privat, Zwischenform

Kojencharter ist für den Buchenden zumeist das Einfachste und Komfortabelste. Mit wenigen Klicks ist ein Urlaubstörn in einer Eins-zu-eins-Vertragsbeziehung zwischen Kunde und Anbieter gebucht. Gerade deshalb ist es aber auch wichtig, genau darauf zu achten, was man bucht. Wo ist wirklich der Firmensitz, welche Rechtsform (Personengesellschaft, Kapitalgesellschaft, Verein usw.) und Kapitalisierung hat der Anbieter wirklich? Eine umfangreiche Webseite ist heute schließlich recht leicht erstellt, auch von Einzelunternehmern oder minimalistisch mit Eigenkapital ausgestatteten Kleinkapitalgesellschaften. Nicht umsonst gibt es auch die EU-Richtlinie zur Reisepreisabsicherung - aber der eigentlich vorgeschriebene Sicherungsschein wird heute noch immer nicht von allen Anbietern ausgestellt.  Soweit die Skipper nicht explizit für die Törns benannt sind, ist es oft interessant, nach entsprechenden Ausschreibungen zu schauen, die einen Einblick in das vom Törnanbieter zugrunde gelegte Anforderungsprofil für ihre Berufsskipper gibt. Der Begriff "Berufsskipper" ist in vielen Fällen dabei eher formal zutreffend, denn regelmäßig sind es Hobbyurlaubsskipper, die für eine gewisse Vergütung für eine einen gewerblichen Anbieter fahren. Oft nur im Kleingedruckten, also den AGBs, finden sich die Stornobedingungen des Anbieters, die man sich definitiv anschauen sollte. Viele behalten sich darin noch sechs oder gar vier Wochen vor Beginn des Segeltörns eine Stornierung vor, falls teilweise hohe Mindestteilnehmerzahlen nicht erreicht werden – und das bei lediglich Erstattung der geleisteten Zahlungen, aber nicht der Reisekosten und auch ohne Entschädigung für entgangenen Urlaub. Je besser der Eindruck von der unternehmerischen Aufstellung ist, umso eher besteht die Chance, dass auch die gerade im EU-Ausland relevanten Themen wie lokale Niederlassung und Arbeitserlaubnis für die Skipper beachtet werden. 

Wirklich privat im Sinne von nicht gewerblich sind Törns nur, wenn sie unregelmäßig und bei voller Kostenbeteiligung von Organisator und Skipper durchgeführt werden. Auch müssen sich alle Teilnehmer gemeinsam zu einer für alles gemeinsam zuständigen und haftenden Törngemeinschaft zusammenschließen. Dabei sind rechtlich dann kaum Vorgaben gesetzt und es gibt auch sehr attraktive Versicherungspakete.

Weit verbreitet ist auch ein Modell, das oftmals ebenfalls als privat bezeichnet wird, jedoch rechtlich dazwischen liegt: Skipper agieren als Organisatoren für eigene Urlaubs-Törns, bei denen von Anfang an wahrscheinlich ist, dass auch neue Freunde zu den Teilnehmern gehören werden. Motivation kann dabei unter anderem sein, dass sich für ein Törnziel oder -zeitraum nicht genügend Mitsegler aus dem Bekanntenkreis finden oder Skipper, die für Kojencharter als semiprofessionelle Skipper gefahren sind, wollen von diesen nicht abgedeckte Reviere sehen oder abweichende Zeiträume realisieren. Aufgrund des hohen organisatorischen Aufwands vor dem Segeltörn sowie der Verantwortung während des Törns streben sie eine teilweise auf null reduzierte Kostenbeteiligung an. Wenn wie im zuvor genannten privaten Fall eine Törngemeinschaft gebildet wird, ist es kein Kojencharter. Wird kein über die Kosten hinausgehender Erlös erzielt, ist es auch aus Sicht der Einkommenssteuer keine gewerbliche Tätigkeit. Jedoch werden diese Modelle von der BG-Verkehr und/oder Versicherungen als gewerblich gesehen, so dass höhere Anforderungen an die Scheine analog der für Kojencharter bestehen und andere Versicherungen abgeschlossen werden müssen bzw. gewisse nicht abgeschlossen werden können. Je nach Arbeitsrecht kann auch ein geldwerter Vorteil bereits außerhalb der EU eine Arbeitserlaubnis und Anmeldung als Selbstständiger dort erfordern. 

In beiden Fällen fehlt zumeist ein äußerer Rahmen der die Eignung und Qualität vorab bestätigt, sodass dafür etwas mehr Kommunikation und auch inhaltliche Beschäftigung mit dem Organisator/Skipper erforderlich ist.. Das fördert ein Vertrauensverhältnis, wenn die Gruppe nicht nur aus dem engeren Freundes- und Bekanntenkreis besteht. Eine Plattform wie JoinMyTrip kann hier mit dem dadurch geschaffenen Rahmen meines Erachtens sehr helfen, den Aufwand für alle Beteiligten zu reduzieren.  

Jedes der drei Modelle hat seine Vor- und Nachteile je nach Situation und Zielsetzung. Bei allen gibt es Punkte, auf die man zur eigenen Absicherung achten sollte - hier gibt es eine Checkliste zur Unterstützung. 

Nahaufnahme der linken Seite eines Bootes mit Boden, Reling und Teil des Segels

Zukunft: Was sind Deine Reisepläne für den nächsten Segeltörn und gibt es schon konkrete Planungen? 

Ganz oben auf der Wunschliste stehen die exotischeren Ziele wie zum Beispiel Seychellen, Kuba, Bahamas, Belize, British/Spanish/American Virgin Islands sowie mehrere Abschnitte in der Südsee. Aber auch Kroatien und Griechenland finde ich immer wieder eine Reise wert.  

Fest geplant und durchorganisiert (Yacht, Route, Crew) ist der Segeltörn auf den Seychellen im Dezember 2019 (siehe JoinMyTrip -Trip hier.) und vor Kubas Südküste im März 2020 (siehe JoinMyTrip -Trip hier).  

Gerade gestartet habe ich die Vorplanung für die Zeit danach, wobei sowohl Mittelmeer als auch Übersee angedacht sind. 

Gibt es die Möglichkeit, die Segeltörns zu verfolgen und eventuell sogar mitzusegeln?

Für's Mittelmeer im Sommer/Herbst 2020 gibt es einen JoinMyTrip -Post mit Umfrage wo es hingehen könnte hier und für den kommenden Winter gibt es einen JMT-Post mit Umfrage wo es hingehen könnte hier.

Sobald sich daraus Trips konkretisieren, werde ich diese hier bei JoinMyTrip veröffentlichen. 

Jeweils aktuelle spezielle Zusatzinformationen sowie findet ihr hier.

Weißes Segelboot auf offenem Gewässer vor fast wolkenlosem Himmel

Torsten

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