Reisebericht Bhutan

von Johann911 auf 13.06.2019

Kususangpo - Der Deal mit dem Glück

Bevor der Airbus A319 der königlichen Drukair-Flotte in einer »schwungvollen« Kurve zwischen den bewaldeten Bergen die Landebahn von Paro (West-Bhutan) auf fast 2.300 Metern Höhe ansteuerte, stimmten wir uns hoch über den Wolken mit der atemberaubenden Sicht auf den Lhotse (8.516 m), den Mount Everest (8.850 m), den Kangchendzönga (8.586 m), den Mount Jichu Drake (6.989 m) und den majestätisch aufragenden Mount Jumolhari (7.320 m) auf einen unvergesslichen Aufenthalt ein. »Kususangpo« – willkommen in Bhutan. Zum Glück bekommen die meisten Fluginsassen den waghalsigen Anflug in der Regel gar nicht mit, weil ja Buddha, Gott, andere Heilige sowie seine königliche Hoheit, der 5. Druk Gyalpo (Drachenkönig) Jigme Khesar Namgyel Wangchuck und seine bezaubernde Gattin, Königin Jetsun Pema, die Königin-Mutter Ashi Tshering Yangdon und seine Heiligkeit Trulku Jigme als oberster geistlicher Führer aller Dzong (Klosterfestungen) die Starts und Landungen begleiten, wohlwollend und im Geiste vereint.


Unbestritten gehört dieser Airport zu den gefährlichsten seiner Art. Nur eine Handvoll speziell ausgebildeter Piloten dürfen hier starten und landen. Letztendlich heißen auch die Bhutaner selbst die Besucher willkommen. Das Land öffnet sich, langsam und äußerst behutsam, und so wächst die Chance auf ein wenig mehr Wohlstand. Willkommen im »Land des Donnerdrachens« Bhutan ist ungefähr so groß wie die Schweiz (ca. 150 x 300 km) und liegt »eingeklemmt« zwischen China im Norden und Indien im Süden am Fuß des mächtigen vorderen Himalaya-Gebirges. Seit 1963 durchquert das Land eine Ost-West-Straße. Die Gebirgszüge sind hoch, die Täler tief und so hat jede Region sein eigenes Klima, seine eigene Ethnizität und die damit verbundenen Lebensgewohnheiten. Cirka 750.000 Einwohner verteilen sich über das Land, das bedeutet eine Bevölkerungsdichte (bzw. -weite) von 20 Einwohnern pro Quadratkilometer – zum Vergleich: Hamburg hat bei einer ähnlichen Einwohnerzahl eine Bevölkerungsdichte von über 2.300 Einwohnern pro Quadratkilometer! Cirka ein Drittel der Menschen hier sind hinduistische Lhotsampa (Südländer).

Bhutan und die 2.500 Meter

In der mittleren Region mit gemäßigtem Klima (bis 40 Grad Celsius) und ab 2.500 Metern Höhe leben Bhutanesen überwiegend tibetanischer Abstammung, die Ngalongs, die »als Erste aufsteigen«. Sie prägen im Wesentlichen die Kultur und die Geschichte des Landes. Im Norden, in den kalten Hochgebirgsregionen bis über 7.000 Metern, leben Nomaden verschiedener ethnischer Gruppen mit buddhistischer Religion. Die höchsten Erhebungen der Region sind der Kula Kangri (7.500 Meter) und sein Nachbar, der nur 70 Meter höhere Gangkhar Puensum, der Berg, den noch keiner bezwingen konnte, auch ein Reinhold Messner nicht. Wenn die Regenzeit einsetzt, werden aus den kleinsten Bächchen reißende Flüsse, die auf ihrem Weg zum Brahmaputra nach Indien oft selbst entfernter gelegene Häuser und Klöster bedrohen. Die offizielle Landessprache ist Dzongkha, ein tibetischer Dialekt. Die Hauptreligion ist eine lamaistische Form des Buddhismus. Dies zeigt auch die orange-rote Landesfahne mit dem weißen Drachen, der als Symbol für einen ehrlichen und reinen Lobgesang steht. In Bhutan gibt es zahlreiche Klöster und etwa 7.000 Mönche. Die Schulpflicht reicht bis zum elften Lebensjahr. Die Analphabetenrate liegt deutlich über der 70-Prozent-Marke, was sicherlich auch auf die weiten Schulwege zurückzuführen ist.

Der Deal mit dem Glück

Die Infrastruktur mit Bus und Bahn ist mehr als bescheiden. Bhutan – das Land des »Bruttosozialglücks« Wer als Tourist hierher kommt, der will: Ruhe, Natur und den Versuch starten, mit sich und der Welt (wieder einmal) ins Reine zu kommen. Der Zeitunterschied beträgt nur vier Stunden. Könnte man Paro direkt anfliegen, hätte sich damit das Thema Jetlag erledigt. So wird es ein »Tagesmarsch« über Delhi (nicht zu empfehlen), Kathmandu oder Bangkok. Letzteren empfehle ich, um mit den in ihm enthaltenen vier Stunden Flugzeit »Abschied vom Luxus« zu nehmen. (s.separaten Bericht "Bangkok") Die Leute mögen in unseren Augen arm sein, doch weit gefehlt! Denn sie haben eins: einen modernen, aufgeschlossenen und klugen (Oxford-Studium) König, der 2008 zugunsten einer demokratischen Regierung freiwillig seine Macht abgab. Bhutan ist das einzige Land der Welt mit dem tantrischen Mahayana Buddhismus als Staatsreligion. Es bekennt sich zu seinem Ursprung, der Natur und den Lebewesen – so ist es in der Verfassung verankert. Damit haben die Untertanen des Königs vor allem eines: eine Zukunftsperspektive – und das auch, weil man erkannte, dass »ewiges Wachstumstreben« kein Maßstab für Glück ist. Es gibt im ganzen Land KEINEN McDonald’s, keinen Pimki-, H&M- oder Zara-Modeschuppen und ROLEX als ein Synonym für Luxus wahrscheinlich auch nicht. Dass sich Königin-Mutter mit dem einzigen Porsche Cayenne im Land chauffieren lässt, ist standesgemäß und bezogen auf die teils sehr widrigen Straßenverhältnisse mehr als angebracht. Ein bisschen Luxus muss schon sein. Steinkohle, Kupfererz und Graphit werden abgebaut, spielen jedoch in der Handelsbilanz des Landes keine wesentliche Rolle. Wesentlich wichtiger ist die Landwirtschaft. Der bewirtschaftete Boden ist meist in Terrassenform angelegt und wird bewässert. Die Haupternteerträge sind Reis, Weizen, Mais und Kartoffeln. Kardamom und Obst. Äpfel, Birnen und Pflaumen werden für den Export angepflanzt. In der Viehzucht überwiegen Rinder, Yaks und Schafe. Die bhutanische Jugend ist hellwach, wissbegierig, zukunftsorientiert und heimatverbunden.

Tradition und Moderne

Sie pendelt locker zwischen Tradition und Moderne, zwischen Kira, dem knöchellangen Kleid der Frauen, Gho, dem »Rock« der Männer, und Jeanshosen, sowie zwischen der Landessprache und einem englischen Slang hin und her. Die Universität in Thimphu (Royal University of Bhutan, kurz RUB) platzt aus allen Nähten. Buddhas Kinder drängen nach oben. Sie wollen mehr als Ackerbau und Viehzucht betreiben. Zu den äußerst geschickten handwerklichen Fähigkeiten wie Weben, Holzschnitzarbeiten oder Papierherstellung, die neben 13 weiteren, rein handwerklichen Berufszweigen im National Institute of Zorig Chusum in Thimphu gelehrt werden, gesellt sich unter die Fertigkeiten der Jugend seit einigen Jahren die Bedienung eines Handys oder Smartphones mittels Daumen. Das landesweit über Berge und Täler hinwegreichende GPS- und Kommunikationsnetz garantiert »Erreichbarkeit überall«. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist online, benutzt Handy und Internet. Dagegen gibt es in diesem Land lediglich ca. 28.000 Festnetzanschlüsse. Der Tourismus ist nach der umweltfreundlichen Stromproduktion (Wasserkraft, hauptsächlich für Indien) die zweitwichtigste Einnahmequelle.

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Tourismus in Bhutan

Um 1990 waren es gerade einmal 1.500 Touristen, 2010 schon 41.000. Die Regierung strebt für die nächsten Jahre die 100.000-Marke an. Drei neue Flughäfen sind in Planung, die Landebahn in Paro wird derzeit über den Fluss hinaus verlängert. Der durch einen königlichen Erlass deklarierte Exklusiv-Tourismus wird beim Wachstum eine wesentliche Rolle spielen. Die Einreisebestimmungen sind streng, die Mindestausgabe pro Tag beträgt 200 bis 240 US-Dollar pro Person. Die Richtung scheint zu stimmen, Bhutan ist mit seinen Mythen und Klöstern als Reiseland noch ein Geheimtipp in der immer mehr ausufernden Reisewelt. Viele der hier NICHT klassifizierten Hotels rüsten jetzt auf und bemühen sich, die westlichen bzw. asiatischen Standards zu erfüllen. Sie entsprechen ungefähr »unseren« 3-4-Sterne Hotels, bieten generell eine angenehme Atmosphäre, sind sauber und auf Gruppenreisen spezialisiert. Nur ganz wenige haben TV im Zimmer und anstatt der Klimaanlage tut es notfalls auch ein »Kanonenofen«. Hervorzuheben ist das immer freundliche Personal! Einige Luxushotels wie die vier Aman Resorts, das Uma Paro Hotel bzw. das Zhiwa Ling in Paro sowie das Taj Tashi in Thimphu seien an dieser Stelle erwähnt. Die wahren Schätze Bhutans liegen jedoch nicht im Glitzerleben und Champagnerrausch mit dem einhergehenden nachträglichen bösen Erwachen mit Brummschädel. Politisch klug und weitsichtig wird vielmehr seit über 30 Jahren eine Politik betrieben, die den kulturellen Ursprung der Bevölkerung als oberste Priorität ansieht.

Die Königliche Herkunft

1970 war es Königvater Jigme Singye Wangchuk und damit sein Land, das sich dem kapitalistischen BIP (Bruttoinlandsprodukt) nicht untergeordnet hat, sondern sich dem Indikator »Gross National Happiness« verschrieben hat, frei übersetzt, dem »Bruttosozialglück«, dem Wohlstand aus einer ganzheitlichen Perspektive im Einklang mit Natur und Umwelt (siehe www.utopia.de/magazin/muss-die-wirtschaft-ewig-wachsen-bhutan-wie-glueck-messbar-wird-bruttosozialglueck?all). Im Klartext bedeutet dies die verstärkte Betonung des Staatsgrundsatzes von TSA WA SUM, von der Einheit der drei Elemente: König, Regierung und Königreich oder Land. Daraus leiten sich die Gebote der Ngalong-Traditionen ab, beispielsweise den herkömmlichen Verhaltenskodex der herrschenden Gruppe zu befolgen, die nationale Kleidung der ethnischen Bhutaner zu tragen und die Sprache der Ngalongs als alleinige Staatssprache zu benutzen. Natur der ganz besonderen Art Ein ganz besonderer Schatz und nicht mit Gold und Börsengewinnen aufzuwiegen sind die unendlichen und größtenteils unberührten Naturschönheiten. Diese werden durch einen in der Verfassung festgeschriebenen Umweltschutz gesichert, der den Kindern schon im Schulunterricht »eingebläut« wird. Undurchdringliche Ur-Wälder, unbezwungene Bergriesen, malerische Landschaften, tosende Wasserfälle, exotische Tiere und uns unbekannte Heilpflanzen sind durch die Wiedergeburt im Kreislauf »garantiert« für die Ewigkeit bestimmt.

Nationalparks und Tierreservate

Fast ein Drittel des Landes besteht aus geschützten Nationalparks und Tierreservaten. Wo sonst auf der Welt können Schneeleoparden und Bären, Wölfe, Moschus und viele andere Tiere (siehe wikipedia.de) auf engstem Raum ungestört eine Über-/Lebensgrundlage finden, wo können seltene Tiger noch bis auf über 4.000 Metern Höhe ihre Beute suchen, wo goldene Langur-Affen und Nashornvögel in den Baumwipfeln kreischen, weil unter ihnen ein rares Panzernashorn auftaucht oder ein sehr seltenes Exemplar des Schneeleoparden auf der Lauer liegt? Der Buddhismus wird gefeiert Der Buddhismus begegnet uns auf Schritt und Tritt. Wie Trutzburgen stehen die alten Dzong (Klöster: Dungtse Lhakhang, Drukgyel Dzong, Kyichu Lhakhang u.a.) seit 500, 800 oder 1.200 Jahren hoch und einsam auf einer Bergspitze oder strategisch wichtig an Flussläufen. Für die meisten Besucher ist das »Taktshang«, das Tigernest-Kloster, der absolute Höhepunkt einer Reise, weil man es sich einmal im Leben gönnt und für immer unvergesslich sein wird. Ungezählte wasserbetriebene Gebetsmühlen stehen an Bachläufen, Wegen und Straßen. Und überall im Land wehen die bunten Gebetsfahnen, zwischen Bäume aufgespannt und an Brückengeländern befestigt. Mit ihren aufgedruckten Mantras (Texten) tragen sie die positiven Wünsche der Gläubigen empor zu den Göttern. In Bhutan werden feste Feste gefeiert, manche dauern bis zu xx Tagen. Die cirka 20 Tsechu werden zu Ehren des Guru Padmasambhava (ca. 755-797) gefeiert, der als Begründer des Buddhismus in Tibet gilt. Gesellschaftliche Höhepunkte (s. PDF „Bhutan-Feste-2013“ in der iPad Version bzw. Website des PCD) sind das jeden April in Paro stattfindende Klosterfest (Tsechu), das Thimphu Tsechu im September und – was wir besichtigten – das etwas kleinere, intimere Nimalung Festival im gleichnamigen Kloster in Bhumtang Ende Juni. Nicht weit davon entfernt liegt ein ganz besonderer Ort: Kurjey Lhakhang (Kur = Körper, jey = print).

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Die mystische Höhle

In einer Höhle besichtigen die Gläubigen einen Felsen, auf dem die Kontur von Guro Rinpoche aus dem 8. Jahrhundert zu sehen ist, der hier drei Monate lang meditierte – ein mystischer Ort, denn er gilt als der Heilige, der den Buddhismus in Bhutan einführte. Vor der Höhle stehen drei große Tempel (Guru Lhakhang – die Häuser der Höhle), das erste wurde 1652 erbaut. Der mittlere Tempel Sampa Lhundrup entstand um 1900 in Erinnerung an König Ugyen Wangschuk. Der dritte Tempel wurde erst vor ein paar Jahren unter der Schirmherrschaft der Königin-Mutter Ashi Kesang Wangchuk errichtet. Der gesamte Komplex ist von 108 Stupas (kleineren Tempeln) umgeben. Alle xx Jahre kommt das Königshaus mit dem religiösen Führer Trulku Jigme als oberstem geistlichen Führer hier zusammen, um zu feiern. Das Volk feiert mit, die besten Kleider werden aus den Schränken geholt, der schönste Schmuck angelegt. Die Männer suchen im 120-Meter-Bogenschießen, dem Nationalsport Bhutans, ihren Meister. Die Jungen üben sich derweil im »Dartspiel«, d.h. sie versuchen mit übergroßen Pfeilen, auf einer 20-Meter-Distanz die Fläche einer CD zu treffen. Die Frauen haben Yak-Fleisch geröstet und ihre bunten Decken ausgebreitet: Sie verkaufen selbst gefertigte Handarbeiten, Obst und Gemüse – alles 100 % Bio. Sie packen ihre Bambus-Picknickkörbe mit Leckereien und Schleckereien aus und bleiben oft von früh bis spät in den Dzongs – sofern das Wetter mitspielt. Ob Alt oder Jung, Mann oder Frau, Mönch oder nicht – beim Glücksspiel mit Karten und Würfeln sind am Ende eines ereignisstarken Tags alle wieder Buddhas Kinder.

Mönchs-Tänze

Für die Mönche sind es jedoch anstrengende Tage. Sie stecken in fantasievollen Kostümen unter schweren Holzmasken und sind sich ganz sicher, mit ihren mystischen Tänzen Erleuchtung zu erlangen. Für die Bevölkerung ist es regelrecht Pflicht, zumindest einmal im Leben einen dieser »Mönchs-Tänze« gesehen zu haben. Ein absoluter Höhepunkt ist das »Einholen« des haushohen, übergroßen Rollbildes (Thangka), des Bildnisses von Guru Padmasambhava. Dieser mehrere hundert Quadratmeter große Webteppich wird auch als Tongdröl bezeichnet, was so viel heißt wie »Befreiung durch Sehen«, mithin also eine Möglichkeit, spontan Erleuchtung zu erreichen, auch wenn man nicht viele Jahre meditiert hat (www.erlebe-bhutan.de/festivals-bhutan.htm). Zusammen mit den Chorten (kleineren Tempeln) mit ihren Gebetsmühlen sind sie unverzichtbare Elemente des Lebens in Bhutan – von früh bis spät. Feste heißen in Bhutan Tsechu, dem bhutanischen Mondkalender entsprechend der zehnte Tag (www.bhutan-reise.com/philosophie.php) Die Bhutanesen sind, grundsätzlich in sich zufrieden und … weil sie sich in ihrem buddhistischen Glauben in einer Wiedergeburt in diesem sicherlich einmaligen Fleckchen Erde gerne wieder finden möchten. Glück und Seligkeit für den, der ein paar Tage daran teilhaben darf. Noch Fragen? Interessiert an Kontakten, Hotels, etc.? Eine Langfassung gibts auf Anfrage und jede Menge Bilder in 300 dpi-Druckqualität

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Johann911

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